„Ich würde wohl nichts verdienen. Bei mir dauert das einfach zu lange“, sagt NZ-Leserin Liselotte Schlieper. Unter Anleitung von Susanne Robrahn durfte sie bei einer „NZ+Ich“-Aktion am Imbiss der Familie Robrahn die Pommespresse ausprobieren. Foto: Brocks
„Ich würde wohl nichts verdienen. Bei mir dauert das einfach zu lange“, sagt NZ-Leserin Liselotte Schlieper. Unter Anleitung von Susanne Robrahn durfte sie bei einer „NZ+Ich“-Aktion am Imbiss der Familie Robrahn die Pommespresse ausprobieren. Foto: Brocks

Der Rummel hinter dem Rummel

Bunt, laut und voller Menschen – so präsentiert sich der Frühjahrsmarkt Tag für Tag den Besuchern. Doch wie ist es, wenn man auf dem Rummelplatz arbeitet, wenn also das Volksfest der Alltag ist? Dass erfuhren acht Leser jetzt bei einer „NZ+Ich“-Aktion. Sie konnten mit Schaustellern plauschen, immer mal wieder mitanpacken und überall probieren.

Gemeinsam mit seiner Frau hat sich Symon Veldkamp vor zehn Jahren selbstständig gemacht, verkauft seitdem Mandeln und Nüsse aller Art: „Wir sind von Februar bis Dezember unterwegs“, sagt der Schausteller. Das ganze Jahr über lebt die Familie im Wohnwagen: „Wir haben alles, was man braucht. Aber manchmal träumt man schon von einem großen Haus“, verrät Veldkamp, der gerade zum dritten Mal Vater geworden ist. „Ich habe als Kind fast jede Woche die Schule gewechselt“ – wie es auch heute noch für viele Kinder von Reisenden normal sei. „Es war nicht immer leicht. Aber man hat viele Kontakte geknüpft, hatte immer etwas zu erzählen. Und Süßigkeiten kommen immer gut an“, sagt Veldkamp – und lässt natürlich auch die NZ-Leser probieren.

Symon Veldkamp verkauft  Mandeln und Nüsse aller Art. Foto: Brocks
Symon Veldkamp verkauft Mandeln und Nüsse aller Art. Foto: Brocks

Auch am nächsten Stand beginnt für die Gruppe alles mit eine Kostprobe: Danny Müller hat sich auf Schokofrüchte spezialisiert. „Man muss immer genau abwägen, wie viele man produziert“ – schließlich soll nur frische Ware den Besitzer wechseln. „Aber eine leere Auslage lockt auch niemanden an“, erklärt der 27-Jährige, während er Fruchtspieße in Schokolade taucht. Später dürfen dann auch die Leser ihr Talent als Schokokünstler unter Beweis stellen.

Beim „Fröschehauen“ sind die „NZ+Ich“-Teilnehmer zwar wenig erfolgreich – aber dafür mit umso mehr Spaß bei der Sache. „Es braucht zur Hälfte Geschick, zur Hälfte Glück“, sagt Betreiber Mariano Weimar und plaudert aus dem Leben eines Schaustellers. Und auch, während sie an der Schießbude von Mark Cornelius ihre Treffsicherheit unter Beweis stellen, erfahren die Leser Spannendes über das Leben auf dem Rummel und die bürokratischen Herausforderungen

Danny Müller hat sich auf Schokofrüchte spezialisiert. Foto: Brocks
Danny Müller hat sich auf Schokofrüchte spezialisiert. Foto: Brocks

Bei Klaus Brunken lernen die Leser anschließend, wie Berliner hergestellt werden. „Manchmal isst man drei am Tag, manchmal drei Monate lang gar keinen“, verrät der Schausteller. Anpacken dürfen die Leser dann am Stand von Rudi und Susanne Robrahn: Mit Begeisterung drückt Liselotte Schlieper rohe Kartoffeln durch eine Pommespresse. „Ich würde wohl nichts verdienen. Bei mir dauert das einfach zu lange“, sagt die NZ-Leserin und lacht. „Der Clou liegt darin, dass man die Pommes zweimal frittiert. So werden sie besonders knackig“, verrät Susanne Robrahn.

„Auf Volksfesten wird jeder Imbiss regelmäßigen Kontrollen durch das Gesundheitsamt unterzogen“, erklärt Rudi Robrahn, der Vorsitzender des Schaustellerverbandes des Landes Bremen ist. Davon kann auch Mario Steinbauer ein Lied singen: Er lud die Leser – nach einer lustigen Fahrt auf der Familienachterbahn „Kuddel der Hai“ – zum Abschluss in den „Innenhof“ seiner Pizzastube ein: Hier, fernab vom Trubel, lassen auch viele Schausteller gemeinsam den Tag ausklingen.

„Ich habe heute richtig viel gelernt. Jetzt weiß ich auch, warum Karussells links herum fahren“, freut sich Bärbel Renken. Dass sei in der Tradition begründet, das Karussells früher von Pferden angetrieben wurden: „Und die laufen anscheinend lieber links rum.“ Über die Begeisterung der Leser freute sich auch Michael Hempen, früherer Vizepräsident des deutschen Schaustellerbundes: „Der Frühjahrsmarkt ist schließlich das Volksfest der Bremerhavener und ihrer Gäste.“