Parcourschef Günter Mindermann (links) erklärte den NZ-Lesern alles über Aufbau und Linienführung der Springprüfung. Foto: Brocks
Parcourschef Günter Mindermann (links) erklärte den NZ-Lesern alles über Aufbau und Linienführung der Springprüfung. Foto: Brocks

Der Herr der Hindernisse verrät seine Tricks

Die einen nennen ihn Designer, die anderen Fallensteller: Günter Mindermann bestimmte in diesem Jahr bei den Elmloher Reitertagen erstmals Position und Aufbau der Hindernisse. Was es dabei alles zu beachten gibt, erklärte der neue Parcourschef zehn Lesern bei einer „NZ+Ich“-Aktion. Die Teilnehmer waren zu einer exklusiven Parcoursbegehung eingeladen – und durften noch vor den Reitern auf den Springplatz.

Bei der ersten Begehung des Platzes einige Monate zuvor traute Mindermann angesichts des abschüssigen Geländes seinen Augen kaum. „Das Gefälle darf man bei der Planung nicht aus den Augen verlieren. Das macht es besonders interessant“, erklärte der 36-Jährige den Lesern. Schon weit im Vorfeld haben er und seine Helfer den Platz vermessen: Wo stehen die Besuchertribünen, wo stehen Bäume, wie fällt das Licht – alles Dinge, die bei der Planung zu berücksichtigen sind.

Kreativität gefragt

In den unterschiedlichen Klassen gibt die Prüfungsordnung dem Parcourschef die Maximalhöhe der Hindernisse und die Art der Kombinationen vor. „Alles andere, also Reihenfolge der Hindernisse und Linienführung, bleibt meiner Kreativität überlassen“, erklärte Mindermann.

Parcoursplanung sei eine Wissenschaft für sich: „Manchmal sitzt man Stunden vor einem leeren Blatt Papier. Und dann geht plötzlich alles ganz schnell und man weiß genau, wie man alles positionieren wird.“ Schlecht aussehen lassen will er keinen Reiter, zu leicht darf es aber auch nicht sein. „Wir wollen ja auch nicht, dass von 40 Startern 40 eine Nullrunde reiten“, sagte Mindermann, der viele Jahre selbst aktiv geritten ist, lachend. Grundsätzlich habe er immer die Hoffnung, dass seine Ideen den Springreitern gefallen und diese den Parcour zufrieden verlassen.

„Eigentlich ist dieser Parcours für ein Fehler-Zeitspringen zu klassisch“. Doch angesichts der schwierigen Bodenverhältnisse – am Freitag hatte es noch in Strömen gegossen – wurde schnell umgeplant. Ein Hindernis wurde gestrichen, die Strecke gekürzt und teils entschärft. „Man muss als Parcourschef immer schnell reagieren“, betonte Mindermann.

Gewaltige Abmessungen

„Es ist interessant, was man alles beachten muss“, sagte Simone Krohn, die gemeinsam mit Tochter Tabea zur „NZ+Ich“-Aktion gekommen war. „Dass es nicht so einfach ist, einen Parcours zu bauen, war mir klar“ – doch auch als erfahrene Turnierreiterin habe sie noch viel Neues hinzugelernt.

NZ-Leser Ernst-Otto Krüger hat früher immer seine Tochter zu Turnieren begleitet: „Für mich war die Linienführung besonders interessant. Die hat er logisch dargestellt und begründet“, lobte er. Besonders beeindruckt habe ihn, wie sehr und wie kurzfristig Parcoursplaner auf die Gegebenheiten des Platzes reagieren. „Wenn man im Parcours steht, werden einem erst einmal die gewaltigen Abmessungen bewusst“, sagte Pferdebesitzerin Doris Walleit, die immer wieder gerne zu den Elmloher Reitertagen kommt.

„Mir war klar, dass die Parcoursplanung aufwändig ist, aber dass sie so viel Zeit in Anspruch immt, hätte ich nicht gedacht“, staunte Regina Köhn, die selbst bei Turnieren an den Start geht. „Besonders interessant finde ich, wie sehr der Parcourschef auf die Fähigkeiten und Möglichkeiten der unterschiedlichen Reiterklasse eingeht.“