Dressurrichter Peter Olsson erklärte den NZ-Lesern, worauf er bei Pferd und Reiter besonders achtet. Foto: Brocks
Dressurrichter Peter Olsson erklärte den NZ-Lesern, worauf er bei Pferd und Reiter besonders achtet. Foto: Brocks

Das Geheimnis der Noten bei der Dressur

Schritt, Trab und Galopp können sie problemlos voneinander unterscheiden. Doch wenn es um Piaffen, Passagen und Traversalen geht, sind Reitsport-Laien meist aufgeschmissen. Gut, dass es Peter Olsson gibt. Der erfahrene Dressurrichter führte zehn Abonnenten bei einer „NZ+Ich“-Aktion während der Elmloher Reitertage in die Geheimnisse des Dressursports ein.

„Die Atmosphäre in Elmlohe ist einmalig“, schwärmte der Richter aus Schleswig-Holstein, der seit sieben Jahren zu den Juroren der Reitertage gehört. Nach einigen Jahren Pause standen dort in diesem Jahr auch wieder zwei Dressuren der Vier-Sterne-Kategorie auf dem Programm – der Grand Prix der Dressage und der Grand Prix Spezial. „So eine Prüfung verlangt von Pferd und Reiter viel ab“, betonte Olsson. In diesen Prüfungen müssten die Pferde auch piaffieren und passagieren können: „Bei der Piaffe zeigt das Pferd eine trabartige Bewegung auf der Stelle oder mit nur geringer Vorwärtsbewegung“, erklärte der Experte. Beim Passagieren bewegt sich das Tier im Trab mit verzögerten Tritten vorwärts. Dabei scheint es, sind sich die Laien unter den NZ-Lesern einig, zu hüpfen, weil es nach jedem Abdrücken vom Boden einen Moment in der Schwebephase verweilt. „Das sind Übungen, die längst nicht jedes Pferd-Reiter-Team beherrscht“, weiß der Experte.

„Pferd und Reiter kann man bei der Bewertung nicht trennen. Die Zusammenarbeit spielt immer eine wichtige Rolle“, sagte Olsson. So bewerte er unter anderem den Sitz des Reiters, seine Hilfengebung und die Einwirkung auf das Pferd, aber natürlich auch die Bewegungsabläufe des Tieres. „Ziel jeder Dressur sollte die größtmögliche Harmonie von Pferd und Reiter sein“, erklärte Olsson. Er wollte bei einer Prüfung das Gefühl haben, dass der Reiter auf sein Pferd eingeht und das Pferd gut auf den Hilfen steht.

Bei der Prüfung schauen sich die fünf Richter das Geschehen auf dem Platz alle aus einem anderen Blickwinkel an – und kommen so manchmal zu recht unterschiedlichen Ergebnissen. „Die Punkte werden zusammengerechnet und in ein Prozentergebnis übersetzt. Theoretisch könnte ein Reiter 100 Prozent erreichen“, erklärte Olsson.

„Ich hätte nicht gedacht, dass hier Pferde laufen, die internationale Qualität haben“, sagt Agnes Kammerloher, die erstmals die Elmloher Reitertage besuchte. Für sie sei es „total interessant, aus erster Hand zu erfahren, worauf es bei der Dressur ankommt“, so die „NZ+Ich“-Teilnehmerin.

„Ich finde es interessant, welche Figuren es gibt und worauf bei der Bewertung geachtet wird“, sagt Imke Klisches (52). „Dass jemand vom Fach uns das erklärt hat, finde ich super!“ Auch Tochter Inga (15) schaute sich die Dressurprüfung nach der „NZ+Ich“-Aktion mit anderen Augen an: „Man achtet jetzt mehr auf Einzelheiten. Und jetzt kann man zumindest ein klein wenig vergleichen.“ (akb)