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„Umlungu in Gugulethu“ – Teil 3

Observatory. In der Kirche in Gugulethu bekam ich vieles zu sehen, manchmal aber auch Merkwürdiges.

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... Nach einer Stunde hat ein Pastor eine sehr intensive Predigt gehalten, hat geschrien, ist hin und her gerannt, hat fast geweint, geschwitzt und beim Reden gespuckt. In diesem Moment war ich etwas überrascht und musste darauf achten, dass ich mein Gesicht nicht komisch verziehe. Und dann plötzlich fing hinter mir eine Frau an zu weinen, zu stöhnen und schrie über längere Zeit „Amen“ und „Halleluja“. Sowieso wurde bei jeder Predigt ständig sehr laut Amen und Halleluja rein gerufen. Nobuntu hat mir nicht wirklich sagen können, warum diese Frau plötzlich außer Kontrolle geraten ist. Sie hat wohl irgendeine Kraft gespürt. Hope hatte mich vorher schon gewarnt, dass einige Leute sich vermutlich komisch verhalten werden und ich nicht überrascht sein soll. Später wurde uns erzählt, dass das eine Art Willkommensgruß für die Besucher war. Da der ganze Gottesdienst in Xhosa war, musste ein weibliches Mitglied der Kirche 3 ½ Stunden für mich alles was gesagt wurde in Englisch übersetzen und es wurde wirklich viel geredet. Die Arme war nach den ersten 20 Minuten schon völlig fertig. Ich fand das total nett, dass sie das für mich gemacht hat und habe mich sehr geehrt und respektiert gefühlt. Der Pastor hat während des Gottesdiensts erwähnt, dass er es toll findet, dass Besucher gekommen sind und dass sie sich auch gerne vorstellen können. Ich habe mir gedacht, dass ich das definitiv nicht machen werde, weil es mir oft unangenehm ist vor Fremden eine Rede zu halten. Vor allem wenn ich spontan eine Rede halten muss. Nobuntu meinte später zu mir, als wir gesungen haben, dass ich mich jetzt bei allen vorstellen muss. „Nein, bitte nicht!“ ging mir durch den Kopf, dann haben sich alle hingesetzt und es herrschte Stille. Schweißausbruch. Herzklopfen. Natürlich musste ich nun aufstehen und etwas von mir erzählen, denn alle haben schließlich darauf gewartet. Aber ich muss sagen, es war ganz in Ordnung. Alle haben mich angegrinst und mir zugehört und „Amen“ gesagt. Gegen Ende wurden wir alle noch mit Wasser bespritzt und wir mussten uns in eine Reihe stellen und aus einem kleinen Glas Wasser trinken. Wir mussten uns alle beeilen, alles ging ganz schnell. Dann sind alle stehengeblieben und es wurde wieder gesungen und geklatscht. Nach mehr als drei Stunden wurde die Abschlusspredigt gehalten und auch hier sind einige Leute erneut etwas außer Kontrolle geraten. Sie hatten Schmerzen und konnten nicht mehr gerade stehen und haben teilweise auch geweint. Als der Gottesdienst vorbei war, hat einer der Pastoren noch etwas mit „Umlungu“ zu meiner Freundin und Arbeitskollegin gesagt. Mir war sofort klar, dass er noch mit mir sprechen möchte. Draußen hat er sich dann noch bei mir bedankt und gesagt, dass er es toll fand, dass ich mitgekommen bin, mitgesungen, geklatscht und getanzt habe. Am Ende der Konversation hat er mich noch gefragt, ob ich wüsste, wie man günstig an Instrumente kommen kann, da sie gerne ein kleines Orchester aufbauen möchten und ob ich Spenden für die Kirche organisieren könnte...

Nach der Kirche waren wir alle unglaublich müde und kaputt. Hope hatte schon gekocht, sodass wir gleich essen und trinken konnten. Gegen 16.00 Uhr hat mich Patrick nach Hause gefahren, da wir hier ein großes Dinner mit Freunden hatten.

Mir hat das Wochenende super gut gefallen und ich habe Hope noch gleich am Sonntag gefragt, ob ich in zwei Wochen wiederkommen darf. Zum Glück war die Antwort „Yes“.

                                                                                                                                         

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Artikel vom 11.06.12 - 20:52 Uhr
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