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Südafrikas Farben – Teil 1

Barrydale. Ein bewegender Film („The Help“), der mich mal wieder zum Nachdenken gebracht hat.

Als wir letzten Sonntag in Barrydale den Film „The Help” gesehen haben, kam mir die Idee für den nächsten Artikel am Donnerstag. „The Help“ spielt Anfang der 60er Jahre in Mississippi. Eine junge Frau kehrt nach ihrem Studium in ihre Heimatstadt zurück und träumt davon Schriftstellerin zu werden. Sie entschließt sich dafür, angetrieben von ihrem Gerechtigkeitssinn, afro-amerikanische Frauen zu interviewen, die ihr Leben damit verbracht haben, sich als Hausmädchen um die Kinder der weißen Oberschicht zu kümmern. Damit verstößt sie gegen den guten Ton und gegen das Gesetz. Durch das interviewen und das spätere Buch werden Freundschaften aus Kindheitstagen der jungen Dame auf eine harte Probe gestellt und auch die schwarze Gemeinde steht dem Projekt zunächst eher skeptisch gegenüber. Doch nach einem folgenschweren Vorfall sind immer mehr Hausmädchen bereit, ihre lustigen und tragischen Lebensgeschichten zu erzählen.

Ein toller und bewegender Film, den ich jedem nur empfehlen kann. Ich musste am Ende des Filmes anfangen zu weinen, da es für mich unfassbar ist, wie man damals mit der schwarzen Bevölkerung umgegangen ist und ich gleichzeitig Parallelen zu der damaligen/heutigen Situation in Südafrika sehen konnte. Die Apartheid wurde zwar schon lange durch Nelson Mandela beendet, aber man kann durch die Townships, die reichen, weißen Gegenden und die unterschiedlichen Jobs von farbigen und Jobs von weißen Südafrikanern sehen, dass ein Wenig Apartheid stets vorhanden ist. Ich habe in Südafrika zum Beispiel noch nie eine weiße Putzfrau gesehen. Diese Tätigkeit ist scheinbar hier ausschließlich für „Schwarze“ und „Coloureds“ bestimmt und das für einen sehr niedrigen Lohn. In „The Help“ durften die Hausmädchen zum Beispiel nicht die Toilette der Familien benutzen, sondern hatten ihr eigenes, Dixi-ähnliches, kleines Reich im Garten. Auch bei Gewitter waren die schwarzen Frauen gezwungen nach draußen zu gehen, um dort ihr Geschäft zu erledigen. Ich habe daraufhin Pauline und ihre Tochter gefragt, ob sie denken, dass es in einigen Häusern in Südafrika immer noch ähnlich abläuft. Ganz ausschließen würden sie es nicht.

Ich weiß nicht, ob ich schon über die für Europäer mehr oder weniger merkwürdigen Jobs in Südafrika erzählt habe. Wenn man zu einer Tankstelle fährt, um Benzin oder Diesel zu tanken, muss man nicht aus dem Auto steigen. Freundliche farbige Herren und Damen werden Sie fragen, ob sie Benzin oder Diesel tanken möchte und für wie viel Geld. Das Auffüllen des Autos werden die Tankwarte dann für Sie übernehmen. Vor kurzem habe ich von einem Mann gehört, der nach vielen Jahren in Südafrika wieder nach Deutschland gekehrt ist. Er musste an einer Tankstelle haltmachen aufgrund des Benzins. Er hat Minuten auf eine Person gewartet, die das Auffüllen für ihn übernimmt, bis ihm aufgefallen ist, dass er es ja in Deutschland selbst machen muss. Auch gekaufte Waren im Supermarkt muss man nicht selbst einpacken, das übernehmen wieder freundliche, farbige Frauen und Männer. In Südafrika nennt man es „Job Creation“. Es gibt hier millionen Menschen, aber nicht genügend Arbeit. Daher wurden Arbeitsplätze erschaffen, die eigentlich nicht nötig, aber für Arbeitslose lebensnotwendig sind.

 

 

 

 

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Artikel vom 17.05.12 - 16:24 Uhr
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