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Aus der Nordsee in den Mund

Wremen. Zügig hievt Maik Bartel zahlreiche Kisten vom Kutter hinüber in den Laderaum eines Lastwagen. „Scheint ein guter Tag gewesen zu sein“, sagt NZ-Leser Jens Tambor. Gemeinsam mit weiteren Abonnenten der NORDSEE-ZEITUNG konnte er dem Krabbenfischer bei einer „NZ+Ich“-Aktion im Wremer Kutterhafen über die Schulter schauen.

Seit zwei Uhr in der Früh war Maik Bartel mit seinem Kutter unterwegs, hat irgendwo im Wurster Arm gefischt. „Zwischen 12 und 36 Stunden sind wir unterwegs, je nach Tide“, erklärt der Experte. „Viele denken, dass wir beim Fischen stehen bleiben“, weiß der Kapitän. Doch der Kutter bewegt sich immer vorwärts, „meist mit zwei bis drei Knoten“. Während der Fahrt werden links und rechts des Kutters Schleppnetze heruntergelassen, die im flachen Wasser über den Meeresboden gezogen werden. „Wir fischen über dem Grund“, betont Bartels und wiederspricht dem Vorwurf, dass die Fischerei den Meeresboden zerstöre.

Dicke, markante Rollen sorgen nicht nur dafür, dass das Netz nach unten offenbleibt. „Durch die Erschütterungen scheuchen wir die Krabben auf, sie springen ins Netz“, erklärt Bartel. Anschließend wird der zappelnde und zuckende Fang an Bord gehievt und ausgekippt. Über ein Förderband gelangt er in ein vibrierendes Sieb. „Alles, was kleiner als 6,4 Millimeter ist, fällt durch“ – was zu groß ist oder nicht gemeint, sortieren die Fischer aus. Krebse, Muscheln und Fische werden zurück ins Wasser gespült. Fünf bis sieben Mal hebt und senkt sich das Netz: „Ich merke an der Ruderanlage, wie voll das Netz ist“, sagt Barthel.

„Krabben müssen nach dem Fang schnell verarbeitet werden“, erklärt Maik Bartel. Direkt an Bord werden die Tiere in einem Kessel mit Meerwasser abgekocht, wobei sie ihre orange Farbe annehmen. „Wichtig ist, dass man regelmäßig umrührt“, sagt Decksmann Wolfgang Ahlers. An Bord der Falke geschieht das mit Muskelkraft: Immer und immer wieder zieht Ahlers mit einem übergroßen Kochlöffel aus Metall durch das siedende Wasser, in dem die Krabben treiben. „Wie lange man kocht, ist Gefühlssache“, sagt Ahlers. Wenn sich oben kleine weiße Pünktchen zeigen, sei das für ihn ein Zeichen, dass die Krabben durch sind.

Nach dem Kochen werden die Krabben aus dem Topf in eine Rüttelmaschine geschüttet und noch einmal sortiert. Anschließend dürfen die Leser probieren. Barthel zeigt den Lesern, wie man pult: einkerben, aufknacken, Schale weg. „Eigentlich ganz einfach“, so der Profi und lobt seine gelehrigen Schüler.

„Ich fand es interessant, den Weg der Krabbe aus der Nordsee in den Mund einmal nachverfolgen zu können“, lobt NZ-Abonnent Jens Tambor, der sich für alles interessiert, was an der Küste geschieht. „Mein Vater hatte ein Fischgeschäft und freitags war immer Krabbenpulen angesagt“, erinnert sich Jens Tambor: „Ich war aber besser im Essen als im Pulen“, sagt der 57-Jährige und lacht. Auf dem Kutter nun hatte er erstmals ein Erfolgserlebnis: „Man muss wirklich sehr vorsichtig sein und eine gewisse Ausdauer haben“, rät Tambor.