Aromatisch: Röstmeister Christian Ritschel (links) zeigte den NZ-Lesern, wie sich unscheinbare, grünen Bohnen bei der Röstung in kaffeebraun glänzenden, duftenden Kaffee verwandeln. Foto: Brocks
Aromatisch: Röstmeister Christian Ritschel (links) zeigte den NZ-Lesern bei Lloyd Caffee, wie sich unscheinbare, grünen Bohnen bei der Röstung in kaffeebraun glänzenden, duftenden Kaffee verwandeln. Foto: Brocks

Auf die Bohne kommt es an

Dampfend und knisternd ergießen sich braune Bohnen in einen Auffangbehälter und werden sofort luftgekühlt. Plötzlich liegt ein leichter Kaffeeduft in der Luft. „Durch das Rösten werden die Aromen in der Kaffeebohne freigesetzt. Sein richtiges Aroma und den typischen Duft entwickelt der Kaffee aber erst in ein bis zwei Tagen“, sagt Christian Ritschel, Geschäftsführer der Kaffeerösterei Lloyd Caffee, 17 Abonnenten der NORDSEE-ZEITUNG bei einer „NZ+Ich“-Aktion.

„Ich hatte beruflich nie mit Kaffee zu tun, aber ein sehr guter Freund von mir hat bereits 1977 eine Kaffeerösterei gekauft. Das fand ich ganz spannend, habe dort rösten gelernt“, erzählt Ritschel. Sein Hobby hat er längst zum Beruf gemacht. Bei der „NZ+Ich“-Aktion hatte der Röstmeister Spannendes zum Werdegang des Kaffees von der Pflanzung bis in die Tasse zu berichten.

„Es gibt mehr als 150 Kaffeesorten, doch nur zwei werden wirklich angebaut und geröstet“, sagt Ritschel. Der im Hochland angebaute Arabica-Kaffee sei im Geschmack eher mild und sauer, die Sorte Robusta hingegen kräftiger und weniger sauer. „Es ist aber nicht wahr, dass Arabica-Kaffee grundsätzlich besser ist. Es gibt auch gute Robusta-Kaffees“, räumt der Experte mit einem weit verbreiteten Vorurteil auf.

„Je nach Anbaugebiet und Bodenbeschaffenheit vergehen vier bis fünf Jahre, bis eine junge Pflanze das erste Mal Früchte trägt“, erklärt Ritschel. Nach der Ernte müssen die Kaffeekirschen innerhalb von 24 Stunden weiterverarbeitet werden, um Qualitätseinbußen zu verhindern. Erst nachdem die Bohnen getrocknet sind, können sie geröstet werden.

„Die verwendete Bohnensorte sowie Dauer und Temperatur des Röstvorgangs bestimmten maßgeblich den Geschmack und die Qualität des Kaffees“, betont Ritschel, während er die Röstmaschine aufmerksam im Blick behält. Ab 180 Grad färben sich die ursprünglich unscheinbar grünen Bohnen in ein sattes Braun. Bei etwa 200 Grad fängt der Kaffee an zu knacken. „Viel heißer sollte Kaffee auch nicht geröstet werden“, sagt Ritschel. Die hohe Kunst sei es, den richtigen Zeitpunkt zu finden, um die Bohnen abzukühlen. Werden sie zu kurz geröstet, können sich die Aromen nicht richtig herausbilden. „Der Kaffee schmeckt dann zu sauer. Er darf aber auch nicht zu dunkel sein, dann schmeckt er zu bitter“, weiß der Experte. In großen industriellen Röstereien dauere eine Röstung nur knapp 90 Sekunden. „Das schmeckt man auch“, ist Ritschel überzeugt.

„Es war sehr interessant, den Röstprozess mitzuverfolgen“, sagt NZ-Leser Werner Hülseberg. Auch Schwiegertochter Sabine Hülseberg ist vom Kaffeeseminar begeistert: „Ich bin davon ausgegangen, dass das Rösten deutlich länger dauert“, sagt sie. „Wir trinken schon vier bis fünf Kaffee am Tag“, sagt Christian Kühl, den besonders der Weg von der Bohne zum Kaffee interessierte. „Wir kaufen immer Bohnen, gerne von lokalen Röstereien“, ergänzt Britta Kühl. Bei Sorte und Mischung experimentieren beide gerne. „Aber kräftig muss er sein!“