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Von Erich W. Willmann
Heute möchte er finishen, wie die Marathonis sagen, bevor der Zielbogen abgebaut ist. Das heißt, er will die 42,195 Kilometer in einer Zeit von 5:30 Stunden schaffen. So schnell war er bisher nicht.
Andreas Glock ist in Langen geboren, lernte in Bremerhaven den Beruf des Einzelhandelskaufmanns, studierte in Köln Betriebswirtschaft, war bei Ikea in Stuhr bei Bremen, ehe es ihn nach Berlin verschlug, wo er bis heute geblieben ist. Dort ist er seit Jahren freier Finanzberater.
Zum Marathon nach Bremerhaven kommt er jedes Jahr. Er hat auch noch eine Schuld abzutragen, worüber er offen spricht: „Im vergangenen Jahr kam ich 84 Minuten nach dem Zielschluss an. Ich hatte versprochen, für jede Minute darüber fünf Euro für den Verein Rückenwind zu spenden. Das macht 420 Euro. Die Finanzkrise ist auch an mir nicht spurlos vorbeigegangen. Doch bis zum Jahresende hoffe ich, dass ich diese Sache erledigen kann.“
Heute bestreitet der Mann, der immer eine gelbe Mütze trägt, seinen 26. Marathon. 24 Mal kam er ins Ziel, einmal gab er auf. Was keineswegs als Versagen zu werten ist, denn beim Marathon geben ganz andere auf, wenn es eben nicht läuft.
Den 25. Marathon in seiner Karriere will der 50-Jährige also bestehen. 25 Mal ankommen beim Marathon ist gewiss eine Leistung an sich. Dass er noch die Zeitvorgabe einhalten kann, davon ist er überzeugt: „Ich schleppe jetzt rund 20 Kilo weniger als im vergangenen Jahr mit mir herum.“
So weit die Füße tragen: Derzeit lasten auf seinen Beinen schlappe 94 Kilo. 114 Kilo waren es im vergangenen Jahr – die Vorstellung fällt leicht, wie sich Andreas Glock über die Distanz geschleppt hat.
Andreas Glock und Marathon, das blieb nicht unbeachtet. Beim Berlin-Marathon wollte der Focus-Redakteur Peter Hinze eine Story schreiben, wie es sich anfühlt, als Letzter ins Ziel zu kommen. Doch Andreas Glock machte ihm die Geschichte kaputt. Nicht Hinze, Glock wurde Letzter in 6:52:33 Stunden und erntete Platz 32 533.
Immer durchhalten, lautet sein Lebensmotto. Deshalb hat er in seinen Wörterbüchern zu Hause das Wort unmöglich ausgeschnitten. Unmöglich gibt es nicht, auch nicht impossible im englischen Dictionary. Rund 2500 Leute hat er angesprochen es ihm nachzumachen. Die Erfolgsquote: „Vielleicht zehn Prozent.“
Noch eine Marotte hat der „Bohnenzähler“ (www.bohnenzaehler.de). Erbsenzähler ist klar. Aber Bohnenzähler?
„Jeden Tag, an dem ich aus dem Haus gehe, stecke ich mir getrocknete weiße Bohnen in die rechte Tasche. Immer, wenn mir ein gutes oder schönes Erlebnis während des Tages widerfährt, stecke ich eine oder zwei Bohnen in die linke Tasche. Am Abend wird Bilanz gezogen.“
Heute gegen Mitternacht auch über den Bremerhaven Marathon. Beim Start stellt er sich stets in die erste Reihe und lässt sich nach hinten durchreichen. „Kein Problem“, sagt Glock. „Ich behindere ja keinen.“
Im Ziel erst recht nicht. Die Ankunft wäre ihm zehn Bohnen wert. 40 Bohnen wären es, wenn er es in der vorgegebenen Zeit von 5:30 Stunden schafft.
Nicht nur das. Dem Zielsprecher Arthur Schmidt will er es zeigen, denn der hat ihn im vergangenen Jahr bei der Zielankunft als „Mann mit der Hüfte“ bezeichnet. Andreas Glock fand das nicht nett.
Die zweite Motivation: Er will sich endlich einmal nach dem Lauf am Fischbüfett satt essen. Bisher ging das nicht. Als Andreas Glock kam, hatte die Glocke lange schon geschlagen und das Büfett war längst abgeräumt.
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