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Reinhard Warband blickt nachdenklich. „So ein großes Dankeschön, wie von den Obdachlosen dort habe ich selten erfahren“, sagt der 67-Jährige. Und Ehefrau Ilse erinnert sich ganz gerührt an die drei Wochen in diesem November: „Als wir an einem Abend die Suppe ausgeschenkt hatten, rief mich einer der Obdachlosen zu sich und sagte: ‚Ich möchte Ihnen 50 Cent geben, für das gute Essen‘. Dabei haben die doch selbst kaum etwas“.
Dabei war Ilse Warband anfangs skeptisch, als ihr Mann sich für das Projekt interessierte. „Ich hatte schon ein wenig Angst, weil ich nicht wusste, wie man damit umgeht“, gesteht sie. „Wenn man hier vor Ort, wie am Bahnhof in Bremerhaven, Obdachlose sieht, geht man denen ja meistens aus dem Weg.“
Doch ihr Mann Reinhard suchte unbedingt nach einer Möglichkeit, sich sozial zu engagieren. 22 Jahre lang war der ehemalige Polstermöbel- und Strandkorb-Verkäufer in Bexhövede in der Kirchengemeinde als Lektor engagiert. „Als Vorleser in der Schule wollten sie mich hier in Dorum aber nicht“, schmunzelt Warband. Es gab dort schon genug Freiwillige.
Ein Fernsehbeitrag über die Berliner Stadtmission im April wirkte wie eine Initialzündung. „Dort wurde auch über ein Ehepaar berichtet“, die da auch freiwillig gearbeitet haben“, sagt Reinhard Warband. „Da habe ich mir gleich gesagt, das will ich auch mal ausprobieren.“
Beim Evangelischen Kirchentag im Mai in Bremen kamen die Warbands erstmals direkt mit Mitarbeitern der Stadtmission in Kontakt, die dort einen Stand hatten. „Die haben uns auch empfohlen, die Arbeit als Ehepaar zu machen, dann lässt sich das besser psychisch verkraften“, erzählt Ilse Warband. „Denn das ist schon ganz schön hart.“
Drei Wochen lang, jeden Abend von 19.30 bis 1 Uhr, war das Ehepaar im Nachtasyl im Einsatz. Zwischendurch gibt es allabendlich noch eine kurze Andacht für die Mitarbeiter. Ab 21 Uhr werden die Obdachlosen dann nach und nach eingelassen. Manche warten schon ab 17.30 in Nässe und Kälte. „Ich musste unter anderem die Obdachlosen beim Eintritt abtasten, denn Alkohol und Waffen sind im Nachtasyl tabu“, erzählt Reinhard Warband. „Das berührt einen schon, wenn man sieht, dass die meisten von denen ihre letzte Habe in einem kleinen Rucksack mit herumtragen“, sagt der Dorumer.
Für tiefschürfendere Gespräche mit den Obdachlosen blieb den Warbands kaum Zeit. Doch eine kurze Unterhaltung hat sich Reinhard Warband ins Gedächtnis gebrannt. „Ich hatte einem Obdachlosen die Rucksacknummer 113 gegeben. ‚Ach, die Nummer meiner alten Wohnung‘, meinte der daraufhin. ‚Wohnung?‘ fragte ich. ‚Na ja, die Nummer meiner alten Gefängniszelle‘, sagte er. Der wollte erst mal nicht wieder in einem abgeschlossenen Raum leben, und im März will er sich eine Arbeit suchen“, sagt Warband.
Den Dorumern war es wichtig, den Menschen, die sonst auf der Straße leben, ein bisschen Herzenswärme zu geben. Und für Reinhard Warband ist jetzt schon klar: „Für März habe ich mich wieder beim Nachtasyl in Berlin als Freiwilliger angemeldet.“
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