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Das ist verdammt schwierig. Ich habe nicht gezählt, wie oft ich heute schon das Band gewechselt habe. Doch jeder Wechsel macht mir bewusst, dass ich bisweilen über Dinge meckere, die es gar nicht Wert sind. Und genau darum geht es auch Tanja Wolters.
Eine Freundin hatte der Landwirtin das Buch des amerikanischen Pfarrers Will Bowen, „Einwandfrei“, vor einigen Wochen empfohlen. „Das habe ich in kurzer Zeit verschlungen“, sagt Tanja Wolters. „Ich bin selber jemand, der gerne klagt“, gesteht die 39-Jährige. „Und schon beim Lesen ist mir klar geworden, wie wichtig es ist, meine Gedanken auf positive Dinge zu lenken.
Dabei wäre es Wolters nicht einmal zu verdenken, wenn sie ihr Schicksal beklagen würde. Vor einigen Jahren verlor die junge Frau eine Tochter bei der Geburt, ihre andere fünfjährige Tochter ist gehörlos. Jeden Tag fährt sie das kleine Mädchen zu einer Spezialschule in Bremen. Das Buch von Bowen hat der Midlumerin wieder zum Umdenken verholfen. „Böse Erfahrungen sind nicht alles“, sagt sie, „entscheidend ist, wie wir damit umgehen“, ist sie überzeugt.
„Unsere Kraft folgt den Gedanken, ob positiv oder negativ“, sagt die junge Mutter. Genau das sagt auch der Autor. Er will eine Bewegung für ein positives Lebensgefühl anstoßen. Denn Jammern sei eine Form der Selbstvergiftung und der mentalen Umweltverschmutzung.
„Da hat er Recht“, sagt Wolters. „Ich könnte mich zum Beispiel darüber ärgern, dass derzeit ziemlich viele Leute in unserer Gemeinde ihre alten Sommerreifen an die Straße legen. Das sieht echt nicht schön aus, doch ich kann es nicht ändern, also versuche ich, das mit einer gewissen Gelassenheit zu sehen.“ Gelassenheit – gutes Stichwort, denn in diesem Moment lenken mich drei neue Mails vom Schreiben dieses Artikels ab. Ärgerlich, rüber mit dem Band auf den anderen Arm.
Schwierig, das Gummiband konsequent an einem Armgelenk zu lassen, werde es immer dann, wenn sie mit Menschen zu tun habe, die viel tratschen, vor allem über andere. „Da versuchen einige oft, sich mit Erzählungen über ihre schmerzhaften Erfahrungen zu übertrumpfen. Das nervt gewaltig“, sagt Wolters. Und sie hat erkannt: „Wenn ich selber gedanklich ständig um negative Erlebnisse kreise, ziehe ich Leute mit ebenfalls schlechten Erfahrungen an. Da kommt man ganz schnell in eine Negativ-Spirale hinein.“
Einen ganzen Tag lang hat die Midlumerin es immerhin schon geschafft, das violette Band nicht zu wechseln. „Wenn ich tatsächlich mal 21 Tage schaffe, wäre das toll“, gibt sich Tanja Wolters optimistisch. Auf meinem Schreibtisch klingelt in diesem Moment gnadenlos wieder das Telefon . . .
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