
Seit 25 Jahren kümmert sich Jörg Reinhold darum, dass Frösche und Kröten im Frühjahr auf ihrem Weg aus dem Winterquartier die Straße zu den Laichplätzen möglichst sicher überqueren können. „Ab fünf Grad Außentemperatur und feuchter Witterung geht es los“, weiß der Abteilungsleiter der Naturschutzbehörde. Auf einer Länge von gut 300 Metern hat er darum an der Jahnstraße zwischen Abbestraße und Steinkämpe wieder einen Krötenschutzzaun installieren lassen.
Aufgebaut haben die 30 Zentimeter hohe Barriere die beiden Zivildienstleistenden Benedikt Göhlig und Jendrik Schmidt. Direkt an der Straßenkante wurde der gründe Zaun etwas in den Boden eingelassen und an Stangen befestigt. „Alle zehn Meter haben wir dann noch Eimer in den Boden eingelassen“, berichtet Göhling. „Unten drin ist ein Loch, damit bei Regen auch das Wasser ablaufen kann.“
Mit den steigenden Temperaturen hat in den vergangenen Tagen auch die Wanderung der Amphibien verstärkt begonnen. „Sie kommen aus ihren Winterquartieren im Eckernfeld und machen sich auf den Weg in Richtung Weserportsee und Aue“, weiß Reinhold. Wenn sie sich kriechend (Kröten) und hüpfend (Frösche) über den Waldboden und durch den Graben bis an die Straße gearbeitet haben, endet ihr Weg zum „Liebesgrund“ am Zaun. Da sie ihr Instinkt aber immer weiter treibt, hangeln sie sich den Zaun entlang. Bis es abwärts geht. Und zwar in die eingegrabenen Eimer.
Dort tummeln sich dann Kröten, Grasfrösche und ab und an auch mal ein Teichmolch. Der „Taxi-Service“ über die Straße kommt zwei Mal am Tag: früh am Morgen und abends gegen 22 Uhr. Neben den beiden Zivildienstleistenden vom Umweltschutzamt hat diesen Job in der Jahnstraße seit vier Jahren Ute Kramer-Gröhl übernommen. Sie wohnt in der Nachbarschaft. Mit von der Partie sind meist auch Ehemann Matthias und Sohn Jonas (12 Jahre). „Als ‚Aufpasser‘ ist meist auch noch Gismo dabei. Unser Hund“, sagt Kramer-Gröhl und schmunzelt. „Allein am Donnerstag habe ich 120 Kröten und Frösche gezählt“, berichtet sie. Nacheinander holt sie die Eimer aus den Vertiefungen, trägt sie über die Straße und lässt die Amphibien handverlesen in die Freiheit.
„Die Kröten fühlen sich etwas hubbelig an, die Haut ist trocken und sie sind recht ruhig“, beschreibt sie das Gefühl, wenn sie sie vorsichtig mit der Hand aus dem Eimer holt. Ganz anders dagegen die Frösche. Sie sind glitschig. „Da muss man schon etwas kräftiger zufassen. Sonst springen sie davon.“

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