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Aus „St. Willehad“ wird „Herz Jesu“


Geestemünde. „Die überschlägige Berechnung ergibt ohne Inventar und Architekten-Honorar eine Bausumme von 97 000 Mark.“ Knapp kalkuliert hatte Architekt Heinrich Flügel 1909 den Bau der ersten katholischen Kirche Geestemündes. Alles in allem hat sie dann gut 234 000 Mark gekostet – doch daran dachte niemand am Tag der Grundsteinlegung am 31. Juli 1910. Der 100. Jahrestag wird morgen in der Herz-Jesu-Kirche gefeiert. Von Susanne Schwan


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Den Grundstein an der Kirchenschiffmauer muss Pastor Andreas Pape vom Gestrüpp befreien.

Es war wie ein Wettlauf in christlicher Mission: Während der katholische Kirchenbauverein St. Willehad zwischen der damaligen Roon- und Göbenstraße sein Gotteshaus emporwachsen sah, bauten zugleich die Leher Katholiken an ihrer St.-Joseph-Kirche – dem heutigen „Leher Dom“. „Aber die Leher Grundsteinlegung war zwei Wochen später als unsere“, erzählt Andreas Pape, seit 2001 Pfarrer in Geestemünde.

Die Nordwestzeitung hatte vom Festtag am 2. August 1910 berichtet: „Nachdem der Gesangsverein Cäcilie aus Bremerhaven das Lied ‚Der Tag des Herrn‘ gesungen hatte, folgten die üblichen Hammerschläge vom derzeitigen Geistlichen...“ Schon gut ein Jahr später, am 17. September 1911, weihte der Hildesheimer Bischof Adolf Bertram das Gotteshaus – aber nicht wie einst geplant als „St. Willehad“, sondern als „Herz-Jesu-Kirche – wie die Leher Kirche auch. Offenbar, so verraten die Chroniken, hatte eine „unbekannt bleiben wollende“ Spenderin für jedes der Gotteshäuser 60 000 Mark stiften wollen – unter der Bedingung, beide „Heilig Herz Jesu“ zu nennen. Allerdings kam nur Lehe in den Genuss des finanziellen Segens, Geestemünde ging – trotz braven Umbenennens – leer aus. Dennoch hing der Bau an den Spenden, die der Willehad-Verein sammelte, allein 10 622 Mark schoss Elise Riedemann – Schwester des „Petroleumkönigs“ Wilhelm Anton Riedemann – als größte Einzelspende dazu.

Rasante Entwicklung

Möglich geworden war der Kirchenbau der katholischen „Diaspora“ innerhalb des protestantischen Königreichs Hannovers durch die rasante Entwicklung Geestemündes. Waren 1885 unter 4796 Einwohnern noch 377 Katholiken, wurden 20 Jahre später schon 5350 gezählt. „Heute“, sagt Pastor Pape, „hat unser Pfarrbezirk 4608 Gemeindemitglieder.“

Und die sind nicht nur stolz auf manche sakralen Kunstschätze, die den Brand der Kirche 1944 überstanden – so ein Fragment des Hochaltars in barocker Holzschnitz-Manier. Bis heute wartet das dreischiffige Gotteshaus im 57 Meter hohen Turm sogar mit dem „schwersten Geläut“ der Stadt auf: 5650 Kilo bringen die vier Glocken gemeinsam auf die Waage – die Christusglocke ist die größte Bremerhavens.

Ab morgen läutet die Pfarrgemeinde mit dem „Te Deum“ ihr Jubiläumsjahr an der Buchtstraße ein: Bis zum 100-jährigen Kirchweihfest am 17. September 2011 sind, so Pape, mehrere Veranstaltungen und Orgelkonzerte geplant, frühere Pfarrer und Kapläne kommen zu Besuch – so hält am 15. August Pastor Christian Göbel aus Rom den Gottesdienst, am 29. August Pastor Ulrich Schmalstieg. Zum Auftakt morgen wird nach der 11-Uhr-Messfeier zu Begegnungen bei Bratwurst und Erfrischungen geladen.

Artikel vom 31.07.10 - 16:00 Uhr
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