Absage an den Fernverkehr
Bremerhaven. Ab heute schrumpfen in Bremerhaven die Bahnsteige. Die Kritiker erneuern ihre Kritik, dass die Stadt damit vom Fernverkehr abgehängt werde. Aber Bahnsprecher Egbert Meyer-Lovis wischt die Kritik vom Tisch. „Die Kapazitäten sind voll und ganz ausreichend.“ Auch ICE könnten vom Hauptbahnhof fahren. „Wir bauen Bahnsteige nicht auf Spekulation hin“, entgegnet Meyer-Lovis dem Argument, dass mit den fertig gestellten Havenwelten die Zahl der Touristen steigen könnte.
Die Bahnsteige deshalb auf voller Lände zu sanieren, sei Verschwendung von Steuergeldern, so der Sprecher. Schließlich flössen Millionen in die Umgestaltung des Bahnhofs. Tatsächlich verschlingen die Bahnsteige einen großen Teil der zu investierenden 8,2 Millionen Euro, die die Bahn gemeinsam mit dem Bund und dem Land stemmt. Bremerhaven beteiligt sich mit 600 000 Euro. Von Yvonne Gotthardt
So sieht er aus, der ICE-2-Halbzug: Er könnte auch dann noch am Hauptbahnhof halten, wenn die Bahnsteige auf 200 Meter gekappt sind. Ein solcher Halbzug fährt bereits von Bremen nach Hannover. Foto nz
Aber warum müssen die Bahnsteige denn von 400 auf 210 Meter gekürzt werden? Hätte es nicht gereicht, den mittleren Teil zu sanieren, und den Rest der Steige auf gewohnter Länge zu belassen? „Nein“, sagt Meyer-Lovis. „Man muss ja gucken, ob man sie überhaupt braucht. Es macht wenig Sinn, die Bahnsteige einfach verfallen zu lassen.“
Tatsächlich hätten die Züge, die in Bremerhaven verkehrten, etwa eine Länge von 200 Metern. Und die Kapazitäten seien bei weitem nicht erschöpft. „Da ist noch Luft nach oben“, so Meyer-Lovis. Theoretisch könnten ICE-Halbzüge von und nach Bremerhaven fahren. „Die Halbzüge mit fünf Wagen verkehren beispielsweise zwischen Hamburg und Hannover, und auch zwischen Bremen und Hannover fahren Halbzüge. In der niedersächsischen Hauptstadt werden die Züge dann aneinandergekoppelt. Aber das sei allerdings nur Theorie, legt der Bahnsprecher gleich nach. „Wir haben nicht vor, Bremerhaven wieder an den Fernverkehr anzuschließen.“
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