Die Schimmelreiter
Ein Roadmovie in Dithmarschen: zwei schräge Männer auf einer seltsamen Fahrt von Imbiss zu Imbiss.
V:Aries Images, D 2008, R: Lars Jessen, D: Peter Jordan, Axel Prahl, Katharina Wackernagel u.a.
Viel passiert da nicht. Zwei Männer mit sehr schrägen Charakteren fahren übers platte Land, um Imbisse und Gaststätten zu kontrollieren. Alles sauber? Hygienebestimmungen eingehalten? Der eine heißt Fuchs und ist ein alter Hase, der andere ist Tilmann, stil- und skrupellos. Das Ganze fasst "Dorfpunks"-Regisseur Lars Jessen zu einem rauen Roadmovie zusammen, dem trotz seines Titels jeder Bezug zu Theodor Storms "Schimmelreiter" fehlt.

Wieder ein norddeutscher Heimatfilm von "Dorfpunks"-Regisseur Lars Jessen.
Bild von: Aries Images
Eigentlich sollten "Die Schimmelreiter" zunächst "Buddies" heißen, oder einfach "Satt". Denn es geht in erster Linie um das Thema Essen, im Norden, in Jessens Heimat Dithmarschen ein wichtiges Thema, ganz besonders, was die Quantität angeht. Für "Schimmelreiter" entschieden sich Drehbuchautor Ingo Haeb und Jessen, weil die beiden Männer in ihrem Oldtimer quasi über Land reiten, in einer ähnlichen Gegend, in der einst die Novelle spielte - und sie sind auf der Suche nach Schimmel.
Fuchs (Peter Jordan) macht diesen Job schon länger, hat freundliche Methoden und drückt auch gerne mal ein Auge zu. Nachdem er aber bei seiner Kollegin Beate (Katharina Wackernagel) nicht landen kann, entscheidet er sich für eine Karriere in Hamburg. Allzu einfach ist dies nicht, der Chef der hiesigen Kontrolleure hat eine kleine gemeine Prüfung vorbereitet: Fuchs muss sich eine Weile um dessen zynischen Bruder Tilmann (Axel Prahl) kümmern, um einen Fuß in die Tür zu bekommen.
Eigentlich ist der Optimismus von Fuchs nicht zu bändigen. Er quasselt ununterbrochen, ist Vertreter mit Leib und Seele, obwohl er gar nichts verkaufen muss. Mit seiner Buddy-Holly-Brille und seinem wirklich schönen 57er-Buick wirkt er schwer neben der Zeit. Entschieden glaubt er an sein Glück, obwohl ihm jeder Tag das Gegenteil beweist. Peter Jordan spielt diesen liebenswerten Verlierertypen voller Leidenschaft und Sorgfalt.
Auch Tilmann, der boshafte Egozentriker, ist eine dankbare Rolle, die Allzweckwaffe Prahl leicht fällt. So tuckern die beiden ungleichen Partner auf Zeit von einer Station zur nächsten, und Dienst ist nicht mehr nur Dienst, aber Schnaps wirkt immer noch wie Schnaps.
Sie nähern sich an, sie hauen sich Demütigungen um die Ohren, sie sind gemein und witzig, wie die Individualisten vom platten Land eben so sind. Leider entgleitet insbesondere die liebevoll angelegte Figur des Fuchs mit der Zeit. Fuchs war klar definiert, der macht die Milch zu, "damit da nichts reinkommt". Doch dann wird der Kontrolleur auf Freiersfüßen ein wenig zu schwammig. Amüsant bleibt das Gespann dennoch, vergleichbar mit diesen alten Buck-Filmen, die Jessen so mag.
Wunderbare Momente werden mit großer filmischer Wucht eingefangen, lange sah man kein so dynamisches Übergeben an einer Tankstelle auf der Leinwand. Fuchs, das zeigt er im Verlauf der Geschichte, kann auch anders. Er muss nicht immer nett sein, was den mürrischen Tillman zu freundlicheren Umgangsformen bringt.
"Die Schimmelreiter" sind ein skurriler Mix aus oberflächlichem Geplänkel und Tiefgang. Hier und da gönnt sich der Regisseur sentimentale Landschaftsbilder, kitschige Sonnenuntergänge. Einmal mehr widmet er sich der Provinz Norddeutschlands, in der er aufgewachsen ist. Schon "Der Tag als Bobby Ewing starb" und der gerade im Kino laufende "Dorfpunks" nach dem Roman von Rocko Schamoni gehören zu Jessens Heimatfilmen, auf die er sich seit einer Weile spezialisiert hat.
teleschau der Mediendienst
Filmbewertung: überzeugend
Starttermin: 21.05.2009
Freigabealter: 6
Verleih: Aries Images
Originaltitel: Die Schimmelreiter
Laufzeit: 94 Min.
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Nach Freundschaft sieht das nicht aus. Tilmann (Axel Prahl, rechts) ist nicht der umgänglichste Beifahrer für den optimistischen Fuchs (Peter Jordan).
Bild von: Aries Images / Michael Tötter

Fuchs (Peter Jordan, vorne) will Tilmann (Axel Prahl) einfach nur loshaben. So viel schlechte Laune kann niemand ertragen.
Bild von: Aries Images / Michael Tötter

Die Stimmung ist am Nullpunkt, als Fuchs (Peter Jordan, rechts) und Tilmann (Axel Prahl) am letzten Imbiss ihrer Geschäftsreise ankommen.
Bild von: Aries Images / Michael Tötter

Das darf nicht wahr sein. Fuchs (Peter Jordan) wurde verschönert, während er seinen Rausch ausgeschlafen hat.
Bild von: Aries Images / Michael Tötter

Tilmann (Axel Prahl, Mitte) macht sich am Imbiss keine Freunde, und auch nirgendwo sonst.
Bild von: Aries Images / Michael Tötter