Streit am Gartenzaun
Ernst Andreas Kolb versucht, zwischen Nachbarn zu vermitteln ("Nachbarschaftsstreit - Kolb greift ein", ab 29.07, mittwochs, 20.15 Uhr, RTL)
Wenn zwei sich streiten, hilft im Fernsehen oft ein Dritter, der vermittelt. Die "Super Nanny" schafft das erfolgreich bei Eltern und Kindern, Peter Zwegat bei Schuldnern und ihren Gläubigern. Jetzt schickt RTL Ernst Andreas Kolb (40) ins Rennen, um den Zwist am Gartenzaun zu schlichten. Ab Mittwoch, 29. Juli, versucht der Berliner Rechtsanwalt, in fünf Fällen der Doku-Serie "Nachbarschaftsstreit - Kolb greift ein" als unparteiischer Mediator Konflikte zwischen verfeindeten Nachbarn beizulegen. Sowohl der altbekannte Streit über den Baum in Nachbars Garten wie auch kuriose Fälle erwarten den Zuschauer. Dabei ist nichts gestellt, wie etwa in der Sendung "Höllische Nachbarn" (Super RTL). Alle Fälle sind authentisch, und wie bei seiner alltäglichen Arbeit muss Ernst Andreas Kolb auch die ein oder andere Niederlage einstecken.

Rechtsanwalt Andreas Kolb versucht als Mediator, zwischen zerstrittenen Nachbarschaftsparteien zu vermitteln.
Bild von: RTL
Ob Kindergeschrei, die zu hohe Hecke im Garten oder zu laute Musik: Gründe für Nachbarschaftsstreitigkeiten kennt Ernst Andreas Kolb viele. Durch seine Arbeit im Miet- und Immobilienrecht hat er als Anwalt laufend mit solchen Konflikten zu tun. Sein Amt als Mediator kann er seltener ausüben, was vor allem daran liegt, dass "das Mediationsverfahren nach wie vor zu wenig bekannt ist". So gelingt es ihm nur selten, "das ihm angetragene anwaltliche Mandat in eine Mediation überzuleiten".
Um vermitteln zu können, müssen immer beide Parteien dazu bereit sein, miteinander zu verhandeln - überhaupt erst einmal miteinander zu sprechen. Gerade die fehlende Kommunikation sei, so Ernst Andreas Kolb, oft der Grund, dass Streitigkeiten entstehen. Anstatt mit seinem Nachbarn offen über Ärgernisse zu sprechen, gingen viele gleich zum Anwalt. "Wenn man die Menschen fragt: Haben Sie mit ihrem Nachbarn schon mal gesprochen?, kommt oft eine ausweichende oder gar keine Antwort. Die haben es nämlich gar nicht versucht."
"Ich will mein gutes Recht", ist ein Satz, den Ernst Andreas Kolb aus dem Mund seiner Klienten nur zu gut kennt. Und eben weil viele ihr vermeintliches Recht um jeden Preis durchsetzen wollen, gelingt es ihm in gerade mal fünf bis zehn Fällen im Jahr, die Parteien zu einer Mediation zu bewegen. "Typisch Deutsch" sei es, großen Wert auf Gesetze und Normen zu legen. Auch der Streit an sich werde nach Kolbs Erfahrung mitunter "regelrecht kultiviert": "Sobald der Betroffene merkt: Ich habe Rechte will er die durchsetzen und nicht mehr verhandeln. Das ist fast schon eine Art Sport."
Als Mediator ist es stattdessen Ziel des Anwalts, gemeinsam an einer Lösung zu arbeiten, sodass schließlich beide Parteien gewinnen, "indem etwa die Lebensqualität ansteigt", die durch den Streit gemindert wurde. Erfolg habe eine Mediation aber nur, wenn beide Parteien mitarbeiten. Das gelingt nicht immer, auch während der Dreharbeiten für die RTL-Doku-Serie "Nachbarschaftsstreit - Kolb greift ein" musste der gebürtige Münchner bereits einen Misserfolg einstecken.
Besonders im Gedächtnis bleiben dem Rechtsanwalt Fälle, "wenn eine Partei vom Nachbarn derart traumatisiert ist, dass jedes Husten, das von dort kommt, gleich als Angriff wahrgenommen wird. Oder ein Rollladen im Nachbarhaus wird hochgezogen, und man bildet sich ein, beobachtet zu werden."
Fünf Streitfälle betreut Rechtsanwalt Ernst Andreas Kolb für das neue TV-Format. Wichtig ist ihm bei der Zusammenarbeit mit dem Fernsehen vor allem, dass keiner der Beteiligten vorgeführt wird. Beide Parteien hätten ausreichend Möglichkeit, ihre Sicht der Dinge zu schildern. Allerdings sei es durchaus schwierig, "das Medium Fernsehen für eine an sich diskrete Arbeit zu benutzen".
Dennoch hofft der Anwalt, bei einigen der Zuschauer eine Art "Déja-vu-Effekt" zu erzielen und verfeindete Nachbarn zu ermuntern, sich mit dem Gegner an einen Tisch zu setzen und nach einer Lösung zu suchen. Sein Hauptanliegen sei allerdings, das Verfahren der Mediation bekannter zu machen und als wirksame Alternative zum Gerichtsverfahren darzustellen.
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