Heino Ferch
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der TV-Tag: Die Toten vom Schwarzwald
spielt die Hauptrolle in "Die Toten vom Schwarzwald" (Mo., 08.02., ZDF, 20.15 Uhr)

"Der Baader Meinhof Komplex" und "Comedian Harmonists". "Das Wunder von Berlin" und "Der Tunnel". "Winterschläfer" und "Die Luftbrücke". Großes Kino, großes Fernsehen - das ist seit vielen Jahren in Deutschland immer wieder mit einem Namen verbunden: Heino Ferch. Einst vor allem ob seiner Körperlichkeit gelobt, längst aber zum deutschen Jedermann avanciert, der in Eventfilmen ebenso zu sehen ist wie in kleinen ambitionierten Produktionen wie zuletzt dem Kinofilm "Vision - Aus dem Leben der Hildegard von Bingen". Nun ist der 46-Jährige, der mit seiner Frau und einer gemeinsamen Tochter am Ammersee lebt, in einem Thriller zu sehen. "Die Toten vom Schwarzwald" (Mo., 08.02., ZDF, 20.15 Uhr) entführte den Schauspieler tief in den Südwesten des Landes.

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Heino Ferch schätzt die skurrile Atmosphäre, die der TV-Thriller "Die Toten vom Schwarzwald" ausstrahlt.
Bild von: ZDF / Maria Wiesler
teleschau: Herr Ferch, haben Sie schon einmal im Schwarzwald Urlaub gemacht?

Heino Ferch: Nein. - Halt, warten Sie ... doch. Ein Teil meiner Familie kommt aus dem Alemannischen dort, nahe der Schweizer Grenze. Als Kind unternahmen wir mal einen Sonntagsausflug zum Schluchsee. Aber davon hörte ich auch erst, als es mir meine Mutter im vergangenen Jahr erzählte, nachdem sie erfuhr, dass ich dort drehe.

teleschau: Dabei gilt der Schwarzwald als beliebtes Urlaubsziel. Zu Recht, wie es scheint, wenn man die imposanten Bilder im Film sieht.

Ferch: Eins ist klar: Der Schwarzwald hat seinen Namen wirklich verdient. Es kann dort ungeheuer dunkel werden. Da kann man sich wirklich verlaufen. Die Gegenden sind dünn besiedelt, aber sehr dicht bewachsen. Aber gerade auch auf Touristen hat die Gegend eine besondere Wirkung. Der Titisee gehört ja zum Standardprogramm - Engländer, Japaner, Amerikaner. In den Geschäften rundherum gibt es Millionen von Kuckucksuhren, dazu ein Stück Kuchen, und dann sind sie wieder weg.

teleschau: Nur wenige Filme im Fernsehen beschäftigen sich so intensiv mit unserer Heimat. Die meisten spielen in irgendeiner Großstadt, in schicken Designerwohnungen.

Ferch: Das stimmt, doch dieser hier wirkt so, als zeige er die biederen 60er-und 70-Jahre. Aber es handelt sich eben auch um eine Crime-Story, die intensiv mit Mythen spielt.

teleschau: Sie haben schon einige Thriller im Laufe Ihrer Karriere gedreht. Worauf kommt es bei diesem Genre besonders an?

Ferch: Ich versetze mich da in die Rolle des Betrachters. Wenn ich zum ersten Mal das Drehbuch lese, darf ich eben auch selbst nicht sofort auf die Lösung kommen. Dazu ist natürlich das Klima, die Stimmung wichtig. Gerade wenn ein Film wie dieser im Ländlichen spielt, muss das Besondere, das Merkwürdige der Gegend spürbar werden. Nehmen sie "Twin Peaks" als Paradebeispiel. Diese skurrile Atmosphäre - die braucht es.

teleschau: Ihre Figur ist im Film der einzige Zugang zur Geschichte. Der Zuschauer ist immer mit Ihnen auf Augenhöhe, weiß immer genauso viel wie Sie.

Ferch: Bei dieser Konstellation muss man genau aufpassen. Wie viel Information ist nötig, wie wenig ist möglich, um die Spannung aufrechtzuerhalten. Die Hauptfigur darf nicht demontiert werden. Nicht dass der Zuschauer mehr ahnt und sich fragt: Wieso tappt der Depp denn immer noch im Dunkeln? Wobei: Der Zuschauer kann inzwischen jeden Tag fünf Krimis sehen. Da ist es nicht einfach, ihn von der Glaubwürdigkeit einer Geschichte zu überzeugen. Gerade wenn sie so intensiv mit mystischen Untertönen spielt.

teleschau: Der Autor und Regisseur Thorsten Näter greift in die Vollen und nutzt die klassischen Elemente des Genres - Nebel steigt auf, Vögel flattern plötzlich ins Bild, eine unheilschwangere Musik. Können Sie sich an Ihren ersten Gruselfilm erinnern, der Sie beeindruckt hat?

Ferch: Na, da fällt mir zunächst einmal "Die Vögel" ein, den ich als Kind sah. Aber wenn ein Film gut gemacht ist, dann funktioniert das heute noch bei mir. Vor ein paar Wochen sah ich den "Weißen Hai".

teleschau: Von Steven Spielberg ...

Ferch: ... der nicht einmal 30 Jahre alt war, als er den Film drehte. Ein Genie. Er verstand es meisterhaft, diese besonderen Momente zu erzeugen, in denen der Zuschauer eben nur eine Ahnung hat von dem, was kommen wird. Und dann wartet er, hat Angst, und wartet weiter. Sitzt gefesselt eine halbe Stunde davor, und es geschieht eigentlich nichts. Wer das beherrscht, ist schon ein Großmeister des Genres.

teleschau: Ist der Zuschauer nicht inzwischen zu erfahren, zu abgebrüht, um sich noch beeindrucken zu lassen?

Ferch: Mag sein. Aber die Urängste lassen sich immer wieder aufs Neue wecken. Schade nur, dass es mittlerweile die Fernbedienung gibt. Sie erlaubt die mühelose Flucht. Ich ertappe mich selbst manchmal dabei.

teleschau: Sie haben ein Jahr mit zahlreichen Engagements hinter sich ...

Ferch: Das kann man so sagen, es war wirklich viel los ...

teleschau: "Jerry Cotton", "Hanni und Nanni", "Die Toten vom Schwarzwald", das Biopic "Max Schmeling" ...

Ferch: Ich gebe zu, ich bin froh, dass 2009 vorbei ist. Manches lief parallel. Ich drehte zum Beispiel "Jerry Cotton" und "Max Schmeling" gleichzeitig. Da flog ich zwischen Zagreb, Berlin und München ständig hin und her. So etwas mache ich eigentlich ungerne. Aber es waren eben sehr interessante Produktionen, die ich nicht absagen wollte. Also habe ich gesagt: Ich hab die Power, Ihr müsst es organisieren. Und es hat funktioniert.

teleschau: Sie sind 46. Gibt es keine Momente, in denen Sie das Gefühl haben, auch körperlich an Grenzen zu kommen. Lange Partys und Feiern sind dann ja nicht mehr so drin wie früher ...

Ferch: Ach, mein zweibeiniger Wecker zwingt mich morgens um halbacht dazu, dass ich abends Genusstrinker bleibe. Das Vatersein diszipliniert. Aber ich gebe zu: Vor zehn Jahren war das alles noch ganz anders (lacht).

teleschau: Welche Unterschiede gibt es beim Dreh zu früher?

Ferch: Nun, in den letzten Jahren ist viel passiert. Ich habe einfach mehr gelebt. Das lässt mich an mancher Stelle entspannter werden, an mancher auch radikaler. Ich weiß inzwischen, dass ich mich auf meine Intuition verlassen kann. Und sicher ist mein Einfluss gewachsen. Ich kann auch mal "Nein" sagen.

teleschau: Gerade in den USA zeigt sich, dass es beim Fernsehen die älteren Darsteller sind, die in den großen Serien häufig die Erfolge einfahren.

Ferch: Stimmt schon. Ich mag zum Beispiel James Woods sehr. Der ist inzwischen längst über 60, aber gehört eben zu jenen großen Charakterdarstellern, die noch richtig coole Säcke sind. Nehmen Sie nur seine TV-Serie "Shark", die ich wunderbar finde. Diese Crime-Serien bieten für die amerikanischen Darsteller schon viele Möglichkeiten. Bei uns ist das nicht ganz so möglich ...

teleschau: Woran liegt das?

Ferch: Zunächst haben die drei oder vier Millionen Dollar für eine Dreiviertelstunde. Und sie haben Los Angeles, New York, Florida als Drehorte. Bei uns ist es Nordrhein-Westfalen oder der Hamburger Hafen. Es wirkt einfach alles ganz anders. Vor Kurzem drehte ich mit dem Regisseur Matti Geschonnek einen Krimi in Istanbul, in dem ich einen Cop spiele. Die Sonne schien, doch eine Sonnenbrille trage ich nicht. Matti hat mir abgeraten mit den Worten: "Das passt zu den Amerikanern einfach viel besser."

teleschau: Sie waren lange in Berlin, leben aber inzwischen mit Ihrer Familie am Ammersee. Fehlt Ihnen die große Stadt bisweilen?

Ferch: Ich bin oft in der Stadt, auch in Berlin. Schon der Arbeit wegen. Aber ich bin glücklich in Bayern. Die Liebe verschlug mich hierher, das Leben hat es wohl so geplant mit mir. Aber ich mochte den Süden schon immer gerne. Hier kann ich im nächsten Dorf für 2,40 Euro eine prima Suppe essen und bekomme für 6,20 Euro einen klasse Schweinebraten. Wunderbar.

teleschau: Und Sie können dort Ihre Polokarriere vorantreiben. Ein elitärer Sport.

Ferch: Ach nein, da haben Sie einen falschen Eindruck. Es gibt nur etwa 400 Spieler in Deutschland. Wir freuen uns über jeden, der es mal probieren will.

teleschau: Wie kamen Sie dazu?

Ferch: Kennen Sie Stefanie Powers?

teleschau: "Hart aber herzlich".

Ferch: Genau. Ich war schon immer ein glühender Fan. Sie kam mal nach Berlin zum Polospielen mit ihrem eigenen Team. Ich bin natürlich hin und war hart aber herzlich begeistert.

teleschau: Welche Methoden haben Sie noch, wenn Sie mal das Leben genießen wollen?

Ferch: Ich setzte mich auf den Trekker und fahr los. Oder ich repariere Koppelzäune. Oder gehe reiten.

teleschau: Ein Naturmensch ...

Ferch: Ich bin in Bremerhaven geboren, am Meer aufgewachsen, Natur war mir immer nahe. Sie flößt mir großen Respekt ein, weil sie sich nicht beeinflussen lässt. Ich bin gerne in Wind und Wetter. Diese Naturgewalten haben etwas Romantisches für mich, ich mag es, wenn es blitzt und stürmt. Schon als Kind stand ich am Deich und sah mir diese Wassermassen an. Die Natur ist unbestechlich, nach ihr müssen wir uns richten. Dieser Gedanke gefällt mir.

teleschau: Auch mal spazieren gehen?

Ferch: Nein, nein, da muss schon Action dabei sein. Ein Pferd, ein Boot. Und wenn ich Rasen mähe, dann mit dem Trekker. 1,80 Meter Arbeitsbreite - ich mag solche Maschinen.

teleschau: Haben Sie das Gefühl, dass Ihnen nach den erfolgreichen Jahren manchmal die Ziele ausgehen?

Ferch: Ich setze mir immer wieder neue. Und bislang kam immer wieder etwas, auf das ich wirklich Lust hatte. Aber es gibt auch Sachen, die ich selbst gerne mal zu Papier bringen würde.

teleschau: Es wird also eines Tages den Autor Heino Ferch geben?

Ferch: Ja, ich hoffe es. Aber ich gebe zu: Ich weiß noch nicht, ob ich es kann. Ich bin Schauspieler, aber ich würde es unheimlich gerne mal versuchen, auch wenn einem Schauspieler die Regie sicher näher ist als ein Drehbuch.

teleschau: Zuletzt haben Sie unter anderem fürs Kino mit Henry Maske zusammen die Lebensverfilmung von Max Schmeling gedreht. Regie führt Uwe Boll ...

Ferch (lächelt): Ich wusste, dass Sie danach fragen würden ...

teleschau: Klar, Uwe Boll ist ja doch recht umstritten ...

Ferch: Zunächst einmal hat mich das Drehbuch begeistert. Ein Biopic im besten Sinne, sehr emotional. Von Uwe Boll wusste ich nicht viel. Ich hab ihn dann mal gegoogelt. Da wird einem ja erst einmal angst und bange (lacht).

teleschau: Er genießt gerade bei Journalisten nicht den besten Ruf ...

Ferch: Klar, er polarisiert. Aber Henry hat mir vorher noch einmal versichert, dass er weiß, was er tut. Und dass er das Herz am rechten Fleck hat.

teleschau: Auch Henry Maske als Hauptdarsteller weckt erst einmal die Skepsis.

Ferch: Ich erinnere mich, dass ich ihn anrief: "Henry, ich habe hier ein klasse Buch, eine wirklich tolle Geschichte. Und Du spielst den Schmeling. ... Henry, kannst Du das?" Da erzählte er mir, dass er seit einem Jahr Schauspielunterricht nahm. Und er sieht ja auch noch aus wie Schmeling, das gleiche Kampfgewicht. Heute kann ich sagen: Er machte es sehr, sehr gut. Und während er im Training die Säcke schleppte, stand ich als sein Trainer daneben ... mit Schiebermütze und Hosenträgern und schrie ihn an.

teleschau: Da macht Schauspielerei Spaß.

Ferch: Einen Riesenspaß ...
teleschau der Mediendienst


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Heino Ferch weiß: "Der Schwarzwald hat seinen Namen wirklich verdient."
Bild von: ZDF / Maria Wiesler
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Heino Ferch als Matthias Auerbach und Nadja Uhl als Inka stehen vor großen Rätseln in dem spannenden Mysterythriller "Die Toten vom Schwarzwald". Gedreht wurde diese Szene auf dem Hochplateau des Feldberges im Schwarzwald.
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Matthias Auerbach (Heino Ferch) kann es nicht verstehen: Woher kennt die geheimnisvolle Alte (Heidy Forster) den Kosenamen seiner Frau?
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Bild von: 2009 Constantin Film Verleih GmbH
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Ab Juni im Kino: Anja Kling und Heino Ferch spielen Hauptrollen in der Buchverfilmung "Hanni und Nanni".
Bild von: Ufa Cinema

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