Dienstag, 08.09.2009 - 3sat: 20.15 Uhr
Auf ewig und einen Tag (1)
Porträt einer Generation
Es dauert keine zehn Minuten, bis das Flugzeug in das World Trade Center stürzt. "Auf ewig und einen Tag" (Regie: Markus Imboden, Buch: Christian Jeltsch) beginnt - sozusagen - mit einem Knalleffekt. Der Film bebildert in einer der ersten Szenen das eigentlich Unzeigbare. Man sieht, wie Menschen im Inneren eines der Türme den Anschlag erlebt haben könnten. Die Erschütterung des Gebäudes durch den Aufprall der Maschine, den Lärm, die Panik. Nur einen lässt das alles kalt. Gregor Luckner (Fritz Karl) macht den Eindruck eines Mannes, der schon vor dem Anschlag mit dem Leben abgeschlossen hat. Nun steht er am Fenster und will springen. Warum? Wie ist er dort hingekommen? Und wie geht es mit ihm weiter? Nach 180 dramatischen Minuten weiß der Zuschauer mehr.

Jan als Gymnasiast (Enno Hesse, rechts) und Elsa als Schulsprecherin (Anja Knauer), die sich allerdings mehr zu Gregor (Ludwig Trepte) hingezogen fühlt. In den 70er-Jahren demonstrieren auch in der bayrischen Provinz Schüler gegen den Vietnamkrieg.
Bild von: ZDF / Christian A. Rieger
"Auf ewig und einen Tag" (zweiter Teil bei 3sat am Dienstag, 15.09., 20.15 Uhr) ist nicht im klassischen Sinne ein Film über den 11. September. Aber der Anschlag bildet den Hintergrund für eine bemerkenswerte Geschichte über Liebe und Freundschaft. Landshut ist hier vom World Trade Center und New York nur einen Filmschnitt entfernt. Von der Metropole der Welt geht es zunächst in die Provinz, dorthin, wo schon viele große Träume reiften. Der Film schlägt einen weiten Bogen, überbrückt Raum und Zeit und landet - wir schreiben die 70er-Jahre - in der niederbayerischen Kleinstadt.
Dort beginnt die Freundschaft zwischen dem jungen Gregor (Ludwig Trepte) und Jan (Enno Hesse). Beide kommen aus den unterschiedlichsten sozialen Verhältnissen. Jan lebt mit seiner Mutter zusammen, Gregor ist der Sohn eines Spielautomaten-Fabrikanten (Henry Hübchen). Gregors älterer Bruder kam bei einem Badeunfall ums Leben. Vergeblich kämpft der Zweitgeborene um die Anerkennung des Vaters, der über den Verlust nie hinweggekommen ist.
Mit der politisch engagierten Elsa (Anja Knauer) taucht schließlich die Dritte im Bunde auf. Beide Jungen verlieben sich in die attraktive junge Frau, die in ihrer Zuneigung mehr zu Gregor tendiert, aber auch Jan in tiefer Freundschaft verbunden bleibt.
Diese Ménage à trois ist das Fundament des Films, der nicht weniger als ein Generationenporträt sein will. "Auf ewig und einen Tag" handelt von den Menschen, die heute die Mitte der Gesellschaft bilden und an den Schalthebeln in Politik, Wirtschaft und in den Medien sitzen.
Die weitere Entwicklung des Freundestrios ist dafür beispielhaft. Gregor (nun gespielt von Fritz Karl) wandelt sich vom Punk zum ehrgeizigen BWL-Studenten, der seinen Vater in der Welt des Big Business zu übertrumpfen sucht. Auch Jan (Heino Ferch) lockt die glitzernde Finanzwelt. Beide verschlägt es nach New York, wo sie an der Wall Street mit Millionen jonglieren. Bleibt noch Elsa (Claudia Michelsen). Sie macht als Wirtschaftsjournalistin Karriere.
Dieser doch etwas plötzliche Bewusstseinswandel des Trios hin zu smarten Karrieristen wird nicht weiter thematisiert. Der Zuschauer muss ihn hinnehmen. Die Hintergründe bleiben im Dunkeln. Was veranlasst Menschen, ihre Ideale von einst über Bord zu werfen und sich neue zu suchen? Die Erklärungen, die dem Zuschauer angeboten werden - und das ist auch schon der einzige Einwand gegen einen sonst außerordentlichen Film - sind eher dürftig.
Ausgeglichen wird dieses Manko durch das zweite zentrale Motiv: das der Freundschaft. Der Film geht diesem großen Thema in all seinen Verästelungen nach und profitiert dabei von perfekt harmonierenden Hauptdarstellern. Das Dreiecksverhältnis der Hauptcharaktere lockert schließlich eine vierte Person auf. Die chaotische Paula (Martina Gedeck), die so gerne als Modedesignerin Karriere machen würde, bringt zum richtigen Zeitpunkt Farbe in eine Geschichte, die sich immer mehr zu verdüstern droht.
teleschau der Mediendienst
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Sie sind glücklich und träumen vom wahren Leben und vom Ausbruch aus der Provinz: Elsa (Anja Knauer) und die Freunde Gregor (Ludwig Trepte) und Jan (Enno Hesse).
Bild von: ZDF / Christian A. Rieger

Jan (Heino Ferch, links) und Gregor (Fritz Karl) können es kaum fassen: Ihre gemeinsame Jugendliebe Elsa ist überraschend in ihrer Wohngemeinschaft erschienen.
Bild von: ZDF / Christian A. Rieger

New York in den 90er-Jahren. Die New Economy boomt. Doch Gregor (Fritz Karl, rechts) und Jan (Heino Ferch) tun sich schwer mit dem Erfolg.
Bild von: ZDF / Christian A. Rieger

Elsa (Claudia Michelsen) ist überraschend in der Wohngemeinschaft von Jan (Heino Ferch, links) und Gregor (Fritz Karl) aufgetaucht. Wie vor zehn Jahren fühlt sie sich zu beiden hingezogen und verführt sie nacheinander.
Bild von: ZDF / Christian A. Rieger

Jan (Heino Ferch) hat es nicht zu hoffen gewagt, und Paula (Martina Gedeck) hat es endlich begriffen, als sie sich zufällig in New York wiedersehen: Sie sind füreinander bestimmt.
Bild von: ZDF / Christian A. Rieger

Jan (Heino Ferch, rechts) ist hinter ein skrupelloses Börsengeschäft von Gregor (Fritz Karl) gekommen. Der will seinen Vater wirtschaftlich ruinieren. Lange aufgestaute Aggressionen entladen sich.
Bild von: ZDF / Christian A. Rieger

Gregor (Fritz Karl, rechts) sehnt sich ein Leben lang nach der Liebe seines Vaters (Henry Hübchen), der sie verweigert.
Bild von: ZDF / Christian A. Rieger