Freitag, 28.08.2009 - ARTE: 21.00 Uhr
Spielfilm des Tages
Haus und Kind
Sehenden Auges in die Katastrophe
"Haus und Kind" - der Titel steht für einen klassischen Spagat des modernen Lebens: "Haus und Kind" ist, vor allem für unendlich viele Männer, beides: Traum und Albtraum. Ein recht typischer Vertreter der ewig Unentschlossenen ist Bernd (Stefan Kurt). Als Professor für Geschichte in Berlin hat der Mittvierziger zwar seine Karriere fest im Griff, privat hingegen geht für den wenig mannhaften Fremdgänger so einiges den Bach runter, seit seine Frau Lena (Marie Bäumer), mit der er so lange eine Fernbeziehung führte, zu ihm in die Haupstadt zog. Statt endlich reinen Tisch zu machen und sich zu bekennen, schläft Bernd heimlich weiter mit der jungen Melanie (Stephanie Schönfeld). ARTE nennt Andreas Kleinerts ("Freischwimmer") sympathisch leicht erzählten Sommerfilm eine "sarkastische Komödie", aber tatsächlich reitet sich Bernd tief in ein heftiges Drama aus Liebe, Lügen und Leidenschaft hinein.

Bernd (Stefan Kurt) feiert die Einweihung seines Hauses.
Bild von: BR / Conny Klein
Dabei ist Bernd nicht mal per se ein Arschloch. Eher ein Weichei, nicht in der Lage, eine Entscheidung zu treffen, geschweige denn zu tragen. Seine romantische Vision von Haus und Kind ist durchaus glaubhaft - genau wie seine Gefühle für die blonde Geliebte. Welch ein Doppelleben. Welch ein Dilemma. Bernds Weg ist schon vorgezeichnet: Er führt sehenden Auges in die Katastrophe, ist aber brillanterweise mit einem zwinkernden Auge inszeniert. Der moralische Zeigefinger bleibt unten.
Eigentlich hat der Mann alles, was man für ein gutes Leben braucht: Bei einem Ausflug ins idyllische Berliner Hinterland finden Bernd und Lena ihr Traumhaus, einen alten Bauernhof, der nur einen Nachteil hat: eine vereinsamte Frau wohnt noch drin. Die beiden Städter nisten sich ein und bauen das Haus schon einmal aus. Sie geben sich als fürsorgliche "fremde Freunde", bis die alte Dame reif fürs Pflegeheim ist.
Was jetzt noch fehlt, ist das Kind. Lena wird einfach nicht schwanger. Doch dafür alsbald Melanie, mit der sich Bernd in seiner persönlichen Parallelwelt all die Zeit weiter vergnügte. Auch ihr erzählte er was von einer gemeinsamen Zukunft - mit Haus und Kind ...
Was bei so was am Ende rauskommt? Will man eigentlich gar nicht wissen, oder? Naja, im Grunde ist es irgendwie klar: Die eine schöpft langsam Verdacht, und die andere zieht bald nicht mehr so recht, dazwischen macht sich ein Mann zur Wurst und droht vor die Hunde zu gehen. Das Magengrummeln, welches den Zuschauer beim Beobachten dieses Hasardeurs ereilt, ist jedenfalls durchaus unangenehm. Wahrscheinlich, weil die Dreiecksgeschichte von Drehbuchautor Wolfgang Kohlhaase ("Sommer vorm Balkon"), so überspitzt sie einige Male auch sein mag, ganz nah am wahren Leben bleibt und sich der Verkitschung verweigert: Drei tolle Schauspieler spielen drei nicht ganz perfekte Menschen. Großes Drama, aber nicht viel mehr dahinter, als das fast schon Übliche: Ein Mann geht fremd. Und das Leben geht weiter. Ob nun mit Haus und Kind oder ohne.
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Stolz oder genervt - manchmal ist es ein schmaler Grat: Lena (Marie Bäumer) und Bernd (Stefan Kurt) vor ihrem Besitz in Brandenburg.
Bild von: BR / Conny Klein

Lena (Marie Bäumer) will ein Kind von ihrem Mann Bernd (Stefan Kurt).
Bild von: BR / Conny Klein

Melanie (Stephanie Schönfeld) ist immer weniger bereit, die Rolle der ewigen Geliebten zu spielen.
Bild von: BR / Conny Klein