
Herr Röttgen, die Autofahrer boykottieren den Biosprit E 10. Jetzt sagen Experten auch noch, der neue Sprit könnte die Motoren schädigen. Was entgegnen Sie?
Die Hersteller haben diese Meldung inzwischen dementiert. Fast alle Autos vertragen das neue Benzin und wir haben dafür gesorgt, dass die rund sieben Prozent älteren Modelle, die es nicht vertragen, unbefristet weiter das alte E 5 tanken können.
Das heißt, eine Rücknahme der Einführung kommt für Sie nicht in Frage?
Ich halte die Nutzung von Biokraftstoffen für die richtige Strategie. Auch im Sinne der deutschen Autofahrer, die umweltbewusst sind, langfristig stabile Benzinpreise wollen, sowie gute Produkte für hochwertige, leistungsstarke Motoren. Es besteht ja auch kein Zwang, sondern die Möglichkeit, E 10 seit Anfang dieses Jahres an den Tankstellen anzubieten und der Verbraucher kann entscheiden, ob er von dem Angebot Gebrauch macht.
Das Chaos ist allerdings perfekt. Warum musste E 10 überhaupt auf den Markt gebracht werden?
Die Einführung von Biokraftstoffen generell dient dazu, unsere Abhängigkeit vom Öl zu reduzieren. Die Ereignisse in Libyen und die gestiegenen Ölpreise zeigen doch gerade jetzt, wie wichtig das ist. Darüber gab es einen Konsens über die Parteigrenzen hinweg. Die Bundesregierung hat deshalb mit Zustimmung der rot-grünen Opposition und aller Bundesländer die Einführung von E 10 ermöglicht. Andere Länder sind übrigens längst viel weiter als wir: In den USA wird jetzt E 15 eingeführt, in Schweden gibt es bereits E 85.
Wer trägt denn die Verantwortung dafür, dass die Etablierung von E 10 bislang gescheitert ist?
Die Politik hat die Industrie lediglich zur Einhaltung einer bestimmten Biokraftstoff-Quote verpflichtet, die zwar gestiegen, aber nicht neu ist und bislang immer so gut wie erfüllt werden konnte. Ob sie über E 10 oder anders erfüllt wird, ist Sache der Mineralölindustrie. Sie selbst muss das Produkt, das sie auf den Markt bringt, entsprechend bewerben und für den Absatz sorgen. Die Politik stellt sicher, dass die Produktion der Biokraftstoffe nachhaltig ist und nicht in Konkurrenz zur Lebensmittelproduktion gerät. Über diese Aufgabenteilung werden wir uns beim Gipfel unterhalten. Ziel muss sein, die Verunsicherung beim Verbraucher gemeinsam abzubauen.
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