Sie sind die Wächter, die niemals lächeln. Sie formen einen mehrschichtigen Sicherheits-Ring um den Mann, der den Codenamen „Renegade“ (Außenseiter, Rebell) trägt. Sie agieren wie menschliche Überwachungskameras, die unermüdlich die Umgebung sondieren. Und sie handeln nach der Devise: Wir müssen eine Erfolgsquote von 100 Prozent erreichen. Jeden Tag. Ohne Ausnahme.
Pannen können sich die Männer und Frauen des Secret Service, die Barack Obama und die Präsidentenfamilie bewachen, nicht leisten. Ein einziger Fehler kann den Tod des Schützlings bedeuten – insbesondere zu einem Zeitpunkt, wo die Drohungen gegen den ersten farbigen Präsidenten der USA dramatisch zugenommen haben und auch die Terrorgruppe El Kaida nach jüngsten Geheimdienst-Erkenntnissen bald wieder in den USA zuschlagen will.
Aus den Fehlern hat man schnell gelernt. Heute fährt der Präsident im „Beast“, dem ultimativen stählernen Schutz-Cadillac: Perfekt auch gegen Bioattacken versiegelt, im Kofferraum Sauerstoffflaschen und Beutel mit dem Blut des Präsidenten. Dazu Nachtsichtgeräte, Schießscharten und Reifen, aus denen nie die Luft geht. Und taktische Finessen, die potenzielle Attentäter verwirren sollen. Jeder Präsidentenkonvoi besteht aus 25 bis 30 Fahrzeugen, ein mobiles Kommunikationszentrum und ein zweites identisches „Beast“ inklusive.
Doch sobald „Renegade“ den Wagen verlässt, wird er verwundbar. Bei seiner Amtseinführung trug Obama einen maßgeschneiderten schussfesten Anzug. Anders als Ronald Reagan, dem nach dem Attentat unter dem Sakko eine schwere Panzerweste verordnet wurde. Dies lehnte er oft ab: „Ich will doch nicht fett wirken.“ Doch für den Kopf gibt es einen solchen Schutz nicht. Auch deshalb steht der Secret Service unter massivem Druck, in Sekunden die richtige Entscheidung zu treffen. Die Agenten sind nie weiter als eine Armlänge entfernt, um den Präsidenten auf den Boden reißen zu können.
Simulierte Attentate werden ständig trainiert. Mehrere Beamte schützen ihn mit ihren Leibern und versuchen, die Gefahrenzone zu verlassen. „Cover and evacuate“ , heißt dies intern. Drängen ihn zurück ins Auto, während andere der Gefahr entgegentreten. „Die Kugel für den Präsidenten nehmen,“ diese Devise bewahrheitete sich beim Anschlag auf Ronald Reagan. Agent Timothy McCarthy traf ein Bauchschuss, als er sich vor seinen Schützling warf. Beide überlebten.
Über viele der ausgeklügelten Schutzmaßnahmen wird nur ungern geredet – auch was das Weiße Haus und seine 132 Zimmer anbelangt. In den meisten Räumen sind „Panik-Knöpfe“ in Statuen oder Schubladen versteckt, mit denen Mitglieder der First Family Agenten alarmieren können. Bei Schüssen auf das Gebäude kann in Sekunden der genaue Standort des Täters durch den „Bumerang“ geortet werden – ein System, das das Schussgeräusch und Schockwellen der Kugel analysiert. Es unterscheidet zwischen Auto-Fehlzündung, einem Feuerwerkskörper oder einem Schuss.
Umso peinlicher mutet angesichts dieses Hightech-Schutzes die jüngste Dinner-Affäre an, als einem nicht geladenen Ehepaar das Vordringen bis zum Präsidenten gelang. Die verantwortlichen Agenten wurden zu Schreibtischarbeit strafversetzt.
Denn sie hatten gegen die wichtigste Doktrin des Secret Service verstoßen: Selbst der kleinste Fehler kann in einer Katastrophe enden.
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