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Jeder fünfte Bahnwaggon unsicher

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Auf Deutschlands Schienen sind offenbar Tausende von Güterwaggons unterwegs, deren Radsätze Sicherheitsmängel aufweisen. Ähnliche Vorfälle hatte es auch schon mit verschiedenen Baureihen von Personenzügen gegeben. Zuletzt waren wochenlang große Teile des Berliner S-Bahn-Netzes wegen Sicherheitsmängel außer Verkehr gesetzt.

Wie die ARD am Montagabend berichtete, stellte das Eisenbahnbundesamt (EBA) jüngst bei einer bundesweiten Kontrolle bei knapp 20 Prozent von rund 4450 überprüften Waggons „sicherheitsrelevante Mängel“ an den Radsätzen fest. Sie wiesen Schleifspuren, Kerben oder Korrosionsschäden auf. Die Waggons hätten auf Weisung des EBA entladen und in Werkstätten gebracht werden müssen. Insgesamt sind in Deutschland nach Expertenschätzungen weit mehr als 100 000 Güterwaggons unterwegs. Das Ergebnis der aktuellen Untersuchung auf den gesamten Bestand hochgerechnet würde eine Zahl von 20 000 defekten Güterwaggons bedeuten.

Dabei war die Kontrolle nach Angaben von Behördeninsidern die erste ihrer Art seit der Gründung des EBA im Jahr 1994. Experten kritisieren die Konstruktion und Ausrichtung der Behörde und fordern die Einführung eines Eisenbahn-TÜVs. Anlass für die Sicherheitskontrolle war ein schwerer Güterzugunfall im italienischen Viareggio im Juni. Dort war wegen einer gebrochenen Radsatzwelle ein Flüssiggas-Waggon entgleist und explodiert – 24 Menschen starben. In der Folge hatte das EBA Mitte Juli in Bonn eine Anhörung von Eisenbahnunternehmen und Verbänden angesetzt. Deren Darstellung zum Thema „Brüche von Güterwagen-Radsatzwellen“ war für die Aufsichtsbehörde offenbar wenig überzeugend.

Die mangelnden Kontrollen und die immer wieder auftauchenden Schäden lassen Kritiker des wirtschaftlichen Kurses der Deutschen Bahn immer wieder aufmerken, dass die Bilanzen durch den verringerten Sicherheitsaufwand geschönt seien, allein um die Bahn fit für die Börse zu machen. Der für 2008 geplante Börsengang war wegen der Finanzmarktkrise und der Kritik an der Bahnführung auf unbestimmte Zeit verschoben worden.

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Artikel vom 17.11.09 - 11:03 Uhr
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