Frage: Die Attacke der Rottweiler auf zwei Kleinkinder und ihre Mutter in Hildesheim hat die Diskussion über die Hundehaltung wieder in Gang gebracht. Zu Recht?
Hackbarth: Zurzeit gilt wegen der Brut- und Setzzeit überall die Leinenpflicht. Die Halterin hat ihre Hunde dennoch frei laufen lassen und damit gegen die Leinenpflicht verstoßen. Deshalb sind keine neuen Vorschriften nötig. Wenn ein Autofahrer bei Rot über die Kreuzung fährt, wird ja auch nicht gleich die Straßenverkehrsordnung geändert.
Frage: Ist denn der Gedanke richtig, die Haltung großer und schwerer Hunde stärker zu reglementieren?
Hackbarth: Nein. Gefahren hängen nicht von der Größe des Hundes ab. Es kommt häufiger vor, dass kleine Kinder von kleinen Hunden gebissen und schwer verletzt werden. Da es sich meistens um die eigenen Familienhunde handelt, werden diese Fälle von den Eltern nicht an die große Glocke gehängt.
Frage: Warum beißen die Hunde in der eigenen Familie zu?
Hackbarth: Wenn ihnen nicht klar gemacht wird, dass die Kinder im Rudel über ihnen stehen, wollen die Hunde die vermeintlich rangniederen Rudel-Mitglieder in die Schranken weisen. Häufig sind auch Frauen Opfer von Beißattacken, weil Herrchen als absoluter Rudelführer betrachtet wird. Da kann es geschehen, dass der Hund zubeißt, wenn Frauchen den Fressnapf wegnehmen will.
Frage: Gibt es Rassen, die besonders aggressiv veranlagt sind?
Hackbarth: Nein. Im Extremfall beißt jeder Hund. Deshalb sind vorbeugende Wesenstests für bestimmte Rassen Unsinn.
Frage: Lehnen sie Wesenstests generell ab?
Hackbarth: Sie sind für auffällig gewordene Hunde sinnvoll.
Frage: Wie soll man sich gegenüber einem aggressiven Hund verhalten?
Hackbarth: Er wird bellen, um seinen Gegner zunächst zu vertreiben. Deshalb sollte man sich ruhig entfernen und dem Hund nie direkt in die Augen gucken. Wenn der Hund auf Beutejagd ist, bellt er nicht. Die Rottweiler in Hildesheim waren übrigens nicht aggressiv, sie legten Jagdverhalten am falschen Objekt an den Tag.
Frage: Brauchen wir also keine neuen Regeln?
Hackbarth: Ich schlage vor, dass alle Hundebesitzer ihre Sachkunde nachweisen müssen. Bevor sie sich einen Hund zulegen, müssen sie sich von einem Tierarzt beraten lassen, damit die gröbsten Fehler im Umgang mit Hunden vermieden werden. Das wird sicher auch dazu führen, dass in der Urlaubszeit oder nach Weihnachten weniger Hunde von ihren überforderten Besitzern ausgesetzt werden.