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„Verändere Dein Leben, sonst verändert es Dich!“

Mit einer Gesamtauflage von über sechs Millionen hat sich Bestseller-Autorin Ildikó von Kürthy in die Herzen der Leser geschrieben. Am Freitag erscheint der neue Roman „Endlich!“ der in Hamburg lebenden 42-Jährigen. Im Interview stellt sie sich der Frage: Kann man 40 und gleichzeitig glücklich sein? Carola Grosse-Wilde

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Glückwunsch! Ihre Heldin in ihrem neuen Roman „Endlich!“ hat die 40 geschafft! Gibt es ein Leben nach diesem magischen Datum?

Allerdings. Und zwar ein bewegtes, aufregendes und gefährliches Leben. Frauen ziehen Bilanz und werden nervös, weil sie den Eindruck haben, sie müssten und könnten jetzt noch ein letztes Mal Bewegung in ihr Leben bringen. Da werden die letzten Eizellen mobilisiert, um doch noch ein Kind zu kriegen, Männer, Chefs und Städte werden verlassen, Brüste operiert und Salsakurse belegt. Es ist Halbzeit und kaum eine Frau will, dass alles einfach genauso weitergeht wie bisher. Meine Freundinnen, und die sind alle um die 40, benehmen sich alle, als hätten sie Zwiebackkrümel in der Strumpfhose. Mich selbst eingeschlossen.  

Sie sind mit 42 Jahren zum zweiten Mal Mutter geworden.

Ja, das war meine Art, Schwung in mein Leben zu bringen. Ein Kind beschert einem eine sehr angenehme Mischung aus beruhigender Routine und atemberaubenden Abenteuern. Und es liefert einem Lebens-Sinn und Erfüllung – in meinem Alter eine große Erleichterung.  

Bisher hatten Sie das Thema Kinder in ihren Romanen weitgehend ausgeklammert. Woher kam jetzt die Wandlung?  

Es war einfach an der Zeit. Meine Heldinnen haben ja keine andere Wahl, als mit mir älter zu werden. Zwar warten wir immer noch auf Anrufe von Männern und quälen uns wie Fünfzehnjährige mit Liebeskummer, aber wir quälen uns auch mit unserem Kinderwunsch, mit Kindergeburtstagen oder dem Drama des eigenen 40sten.

Viele Mütter klagen über Probleme mit dem Partner. Woran liegt das?  

Wenn ein Kind zur Welt kommt, wird ein Paar zu Eltern. An dieser radikalen Funktionsveränderung scheitern viele. Im ersten Jahr hat man es als Mann auch echt nicht leicht: Du hast es mit einer stillenden, hormongeschwängerten Übertusse zu tun, die ständig „Duziduziduzi“ schreit und sich nur um ihr Kind kümmert. Viele Männer stehen ratlos auf dem Abstellgleis und betrachten die Symbiose zwischen Mutter und Kind mit gemischten Gefühlen.

 

Und Kind und Beruf zu vereinbaren, ist ja auch nicht einfacher geworden...  

Da darf man sich nichts vormachen: Frauenkarrieren werden in der Regel durch Kinder beeinträchtigt. Nur eine meiner Freundinnen arbeitet wieder Vollzeit, ein halbes Jahr nach der Geburt ihres Sohnes, in einer Führungsposition. Sie lebt so, wie Männer es schon immer tun: Sie sieht ihr Kind morgens und abends und dazwischen liegen acht Stunden harte Arbeit. Das strengt an, zumal man als Frau immer auch ein schlechtes Gewissen mit sich rumschleppt.

Ihre Heldin hat Probleme mit der Untreue ihres Partners. Warum suchen Frauen oft die Schuld bei sich?  

Das ist ihre Spezialität: Die Schuld bei sich suchen. Frauen geben auch Fehler offener zu. Deshalb sieht es so aus, als machten sie mehr. Im Prinzip finde ich die Frage nach der eigenen Mitwirkung an einer Katastrophe jedoch nicht verkehrt. Beim Thema Untreue lohnt sie sich allemal. Denn oft ist Betrug ja nur das Ende eines Prozesses, an dem man selber nicht ganz unschuldig ist.  

Und einen neuen Mann zu finden, ist ja auch nicht immer einfach...  

Vor allem ist es schwierig, einen besseren zu finden. Eine Freundin sagte mal: „Das ist wie mit Putzfrauen. Wenn du der einen kündigst, weil sie schlecht bügelt, dann stellst du bei der nächsten fest, dass sie nicht in den Ecken sauber macht.“ Kompromisse muss man machen – egal in welcher Beziehung. Eine Kosten- und Nutzenrechnung anzustellen, finde ich völlig in Ordnung. Aber viele Männer sind echt nicht so schlecht. Manche Weiber sind Nölquellen, die immer andere, bevorzugt ihre Männer, dafür verantwortlich machen, wenn es nicht läuft. Also: Klappe halten und gehen. Oder Klappe halten und bleiben. Rummeckern und den Hintern nicht hochkriegen ist die schlechteste Variante.  

Welche Botschaft möchten Sie Ihren Leserinnen mit auf den Weg geben?

Verändere Dein Leben, sonst verändert es Dich. Meine Heldin lässt das Leben mit sich geschehen. Sie wird erst aktiv, als sie betrogen wird. Dann schlägt sie einen Weg ein, den sie schon längst hätte gehen sollen. Besser ist es, die Richtung gleich selbst zu bestimmen, statt zu warten, wo das Schicksal einen hinschubst.

Frauen sind ihr Spezialthema: Schonungslos beschreibt Ildikó von Kürthy Liebe und Leid ihrer Heldinnen. In ihrem neuen Roman „Endlich!“ durchbricht die Hauptfigur eine magische Grenze – den 40. Geburtstag. Foto dpa

Buchtipp

„Endlich!“ von Ildikó von Kürthy,

Hardcover, 320 Seiten, 17,95 Euro, Rowohlt-Verlag

Artikel vom 01.09.10 - 12:00 Uhr
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